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„Gott erkennt kein Ansehen der Person, durchlauchtiger Abtvon Einsiedcln."
„Kann dies Jemand besser wissen, als wir? — Aber wirmachen keinen Anspruch ans Vollkommenheit und können über denbeziehungsweisen Werth der Menschen nicht weiter urtheilen, alsLieß unserem Amte zukömmt. Unser Orden hat sich stets die Gast-freundschaft zur Pflicht gemacht, und wir haben das Vorrecht, unsAchtung zu erwerben; es scheint mir daher nicht nur gebührend,sondern auch klug, einem Edlen von so hohem Rufe, namentlich ineinem Augenblicke, in welchem die Ketzerei wie toll um sich greift,zu zeigen, daß wir die Natur seiner Opfer nicht verkennen. Dusprichst nicht, Bruder Abt?"
Der Abt von Limburg hörte mit geheimer Befriedigung zu,da seine eigenen Ansichten dem Vorschläge günstig waren. Erwar eben im Begriffe, eine bereitwillige Zustimmung zu geben, alsihn Arnolph unterbrach.
„Ich habe Edle unter meiner Begleitung, hochwürdiger Abt,"sprach der Letztere mit Ernst; „aber auch solche, die mehr Rücksichtverdienen, als der Adel, wenn anders tiefe christliche Demuth aufAchtung Anspruch machen kann. Ich bin nicht gekommen, um vonEmich von Hartenburg, sondern von Gemüthern zu sprechen, dieschmerzlich gebeugt sind, erlaube mir daher, für sie die Wohlthateiner kirchlichen Tröstung zu erbitten."
„Nenne Dein Begehr, Vater, und sei einer günstigen Auf-nahme versichert. Doch es ist schon spät, und die kirchlichen Ver-richtungen von morgen brauchen unserer wohlgemeinten Gastfreund-lichkeit keinen Abbruch zu thun."
„Diejenigen, für welche ich Fürsprache einlegte," sagte Arnolph,augenscheinlich verletzt, „sind bereits außen und können, wenn sieeinlreten dürfen, ihre Wünsche am besten selbst Vorträgen."
Der Abt deutete durch ein Zeichen seine Bereitwilligkeit an,die Gäste zu empfangen, und der Prior eilte hinaus, um sie ein-