Druckschrift 
20 (1845) Die Heidenmauer : eine Rheinsage
Entstehung
Seite
410
Einzelbild herunterladen
 

410

haben. Du fürchtest wohl die Kirchenlchre und willst nichts vonihrer Zucht wissen."

Nicht doch, Du verkennst mich sehr, frommer Rüdiger, wennDu dies glaubst; die Kirchenzucht sollte so viel wie möglich erhal-ten bleiben, obschon ich in Abrede ziehe, daß sie eine Bürgschaftder Wahrheit ist. Wir beruhigen uns so gerne mit dem Gedanken,daß eine gut geordnete Kirche von festem Bestand eine Schutzmauerder Wahrheit sey, während doch die Erfahrung deutlich lehrt, daßsie derselben mehr Abtrag thut, als sie ihr je dienen kann unddies aus dem einfachen Grunde, weil cs nur Eine Wahrheit, dage-gen aber viele Arten von Disciplin gibt. Viele Einrichtungen die-nen daher vielen Jrrthümern zur Stütze, wenn anders die Wahrheitim Einklänge mit sich selbst steht."

Du setzest mich in Erstaunen! Was immer aus diesen Ketze-reien folgen mag, so kenne ich bis jetzt doch nur einen einzigenAngriff auf unsere Oberherrlichkeit, und dieser kömmt aus dem Jrr-thume, wie wir aus der Wahrheit stammen."

Das ist wohl auf das Christenthum anwendbar, aber welchenWerth hat es für den Moslem für den Feueranbeter fürden Hindu für die Heiden und alle klebrigen, die inSgesammtso bereit sind, durch eine äußere Ordnung den vermeintlichenJrrthum fern zu halten, wie wir Anhänger der römischenKirche? Bis jetzt ist allerdings unter den Christen dieses Uebelnicht oft vorgekommen, obschon cs nie ohne Zwistigkeiten ablief;aber wenn wir auf die Fortschritte der Buchdruckerkunst unddie verschiedenen Ansichten, die daraus hervorgehen, blicken, soläßt sich voraussehen, daß sich viele widersprechende HülfSmittelgeltend machen werden, die gleich gut erwogen und verdaut werdenmüssen, wenn man die Wahrheit festhalten und den Jrrthumausschließen will. Die Anmaßung einer hohen Autorität und nach-drücklicher Forderungen zu Aufrechthaltung der Lehre und dessen,was wir für Wahrheit halten, sind wohl gut guoack I»oo, wie die