Druckschrift 
20 (1845) Die Heidenmauer : eine Rheinsage
Entstehung
Seite
409
Einzelbild herunterladen
 

409

Berichte über unerklärliche oder übernatürliche Ereignisse unserOhr leihen.

Ich habe viel von Arnolvh gehört," bemerkte der Letztere,aber noch nie so gar seltsame Dinge. Dennoch scheinen die Mei-sten ihn zu lieben."

Darin eben liegt seine Macht. Obgleich er mir oft sehrentgegentrat, kann ich doch nicht sagen, daß ich gleichgiltig gegenden Mann bin ja bei unserem Schutzheiligen, ich möchte bis-weilen sogar glauben, daß ich ihn liebe. Er war unter den Letz-ten, die unsere Altäre verließen, als wir von dem habsüchtigenGrafen und seinen leichtgläubigen, einfältigen Bürgern vertriebenwurden; und doch sprach er zuerst das Wort der Versühnung,nachdem die Unbill begangen war. Ohne ihn und seinen hohenEinfluß bei den Bischöfen hätten leicht die Schläge mit Schlägenvergolten werden können, obschon diese Spaltung in Deutschlanduns gar viele Unterstützung entzogen hat."

Da Du eben von der Kirchenspaltung sprichst, in welcherWeise erklärst Du eine so kecke Neuerung in einem Lande, das ge-wöhnlich für so vernünftig gilt; das kirchliche Ansehen muß wohl unter-graben worden seyn, denn nichts ist so geeignet, Ketzereien oder Jrr-thümer in der Lehre zu verhindern, als eine gut geordnete Kirche,welcher eine gebührende Autorität zur Seite steht."

BonifaciuS lächelte: denn schon in jener frühen Periode er-kannte sein durchdringender Geist den Trugschluß wohl, welcher denAndern verblendete.

Dies ist ganz wahr, wenn sich'S um das Rechte handelt;aber wenn Jrrthnm waltet, Bruder, so dient dieses feste Ansehennur dazu, auch ihm eine Stütze zu geben. Die Vorsorge, welchehier in Deiner gemächlichen Wohnung getroffen ist, die Kälte aus-zuschließen, ist in gleicher Weise geeignet, einer verdorbenen Luftden Abzug zu wehren."

Wo man so raijonnirt, kann die Wahrheit keinen Bestand