Druckschrift 
20 (1845) Die Heidenmauer : eine Rheinsage
Entstehung
Seite
342
Einzelbild herunterladen
 

342

fallen hätte, mich zu einem Benediktiner und den Abt zu einemSchmiede zu machen."

Und wo sollte sich dieses Geld finden, kecker Handwerksmann?"fragte der betagte Bürger in strengem Tone-

Wo anders, als in Deinen gut verschlossenen Truhen, hoch-tverthester Wolfgang," entgegnete der derbe Schmied.Du bist alt,Dater, und wie Du in Wahrheit sagst, ohne Nachkommenschaft.Dein LebenSbaud wird immer loser, und wenn ich aufrichtig sprechensoll, so sehe ich nicht ein, in welcher Weise sich das Nebel leichterVon unserer Stadt abwälzen ließe."

Stille, unverständiger Plauderer! Meinst Du, Deine Vorge-setzten haben nichts Anderes zu thun, als ihr Gut in die Windezu streuen, wie die Funken unter dem Streiche Deines Hammersdahinfliegen? Das Wenige, was ich besitze, habe ich in sauremSchweiße meines Angesichts und unter viel Entbehrung errungen,und es kann noch dazu dienen müssen, Armuth und Mangel vonmeiner Thüre abzuhalien. 3a, ja, in der Jugend meinen wir,man könne den Straßenkoth in Geld umwandeln. Heißes Blutund volle Gliedmaßen bringen uns auf den Glauben, der Menschsey jeder Anstrengung gewachsen und könne sogar ohne Essen undTrinken leben; aber wenn Drangsale und Erfahrung uns zur Er-kenntniß der Wahrheit gebracht haben, so lernen wir den Werthdes Hellers schätzen, meine guten Nachbarn. Gott helfe uns, ichstamme aus einer langlebenden Zucht, und es ist weit größereWahrscheinlichkeit vorhanden, daß ich noch der Stadt zur Lastfalle, als daß ich nur den zehnten Theil von dem thue, was dieserunverständige Schmied da angedeutet hat."

Beim heiligen Benedict, Meister, ich habe nichts ange-deutet. Was ich sagte, sprach ich in dürren Worten aus, und ichbin noch immer der Meinung, daß ein so ehrwürdiger alter Mannmit seinen reichen Mitteln in unserer Klemme ein Wohlthäter der