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ralischen Gewalt, welche die Kirche, der es angehörte, noch immerübte, obschon sie in diesem Theile Deutschlands bereits sehr Nothgelitten hatte; aber die Mauern waren hoch und stark, die Thürmezahlreich, die Gebäude massiv und Alles so eingerichtet, daß einSoldatenhaufen, der im Innern zu tapferem Widerstand entschlossenwar, recht wohl eine Streitmacht bestehen konnte, wie die war,welche jetzt heranzog.
Alles dies entging Heinrich Frey nicht, denn er hatte bereitsden Mittag des Lebens überschritten und sich in den Stürmen undZwistigkeiten seines wild bewegten Zeitalters, in denen er sich stetsals Mann von Muth zeigte — reichliche Erfahrungen über die zweck-mäßige Vertheidigung eines Platzes gewonnen. Er ließ daher seineBlicke mit größerer Angelegcntlichkeit umherschweifsn, um sich zuüberzeugen, auf wen er bauen könne, und die edle, ruhige HaltungBerchthold Hintermayers gab ihm jene Art von Befriedigung,welche der Tapfere stets fühlt, wenn er im Augenblicke der Gefahrverwandte Geister in seiner Nähe weiß. Sobalv die nöthigen Ver-fügungen getroffen waren, rückten die Streiter in bedächtiger Ord-nung vor, denn sie wußten wohl, daß es Athem kosten werde, diesteile Höhe hinanzusteigcn.
Vielleicht ist der Scharfsinn des Menschen nie thätigcr, als inAugenblicken, in welchem ihm sein Gewissen ein schweres Unrechtvorwirft und er sich deßhalb mit dem fieberischen Verlangen trägt,seine Worte oder Handlungen sowohl vor sich selbst, als vor An-dern zu rechtfertigen. Eine tiefe Ueberzeugung von der Wahrheit-und das unverfängliche Bewußtseyn, im Rechte zu stehen, umgibt denGeist mit einer hohen moralischen Würde, die eS verschmäht, sich zueiner Rechtfertigung herabzulaffen, während derjenige, welcher voneinem Streite, in dem ihn sein Inneres gegen die eigenen Beweis-gründe mißtrauisch macht, zu übereilten und allgemeinen Betheu-rungen übergeht — eher Gewissensbisse, als Muth an den Tag legtund ebendadurch der Sache Abtrag thut, die er stützen möchte.