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20 (1845) Die Heidenmauer : eine Rheinsage
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messen beschimpft hatte ein Vergehen, das er jetzt nach Kräftenzu sühnen bemüht war. Seine Gestalt war nur matt erhellt, aberdies diente dazu, jede Furche, die Grain und Leidenschaft auf seinGesicht gezeichnet hatten, nur um so mehr hervorzuheben. Nlrikastudirte seine Züge, die sich ihr in so wenig schmeichelnder Be-leuchtung darstellten: sic knicete zitternd neben Ilse auf der andernSeite des kleinen Gilter-PförtchenS, welches das Kirchenschiff mitdem Chor in Verbindung brachte. Aber kaum hatte sie diese Stellungangenommen, als sich Gottlob hinter den Säulen hervorschlich undin der Ferne auf die Fliesensteine des Mittlern Ganges niederkniecte.Er war zu der Messe gekommen, weil dieser Gottesdienst Niemandverweigert wurde.

Die Beleuchtung um den Altar war so lebhaft und das Kir-chenschiff unten stand so tief im Schatte», daß sich BonifactuS nurmit Mühe überzeugen konnte, ob die Person zugegen war, fürdie der Gottesdienst abgehalten wurde. Er mußte seine Stirnefalten, um so vermittelst seiner dichten Brauen sich eine Art Schirmzu bilden und Odos Gestalt unterscheiden zu können; sobald er sichübrigens von der Anwesenheit des Büßenden überzeugt hatte, deuteteer durch einen Wink an, daß die heilige Handlung beginnen könne.

ES ist kaum nöthig, hier die Einzelnheiten einer Cercmoniezu wiederholen, die wir bereits in diesen Blättern zu schikern hatten;wir beschränken uns daher auf die Bemerkung, daß die Musik undder übrige Gottesdienst mitten in der ruhigen Stille der Nacht einedoppelt ergreifende und feierliche Wirkung übte. Man vernahmdieselbe kräftige Solostimme, wie am Morgen oder vielmehr wie amVorhergehenden Tag (denn Mitternacht war bereits vorüber) undeine gleich erschütternde Wirkung derselben ließ sich auch an den-jenigen bemerken, welche an die ergreifende übermenschliche Melodiegewöhnt waren. Im Verlauf der Messe wurde das Stöhnen desEinsiedlers so hörbar, daß diese Aeußerungen des Leids bisweilendie Feierlichkeit zu unterbrechen drohte. UlrikaS Herz antwortete auf