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Vierzehntes Kapitel.
»Ein sanftes Noth färbt ihre WangenUnd überfliegt dcS Halses Schnee.'
RogerS.
Die Hütte Lottchens, der Mutter Berchtholds, zeichnete sichvor den anderen Wohnungen des Dörfchens nur durch ihre größereReinlichkeit und jene bequeme Einrichtung aus, die hauptsächlichvon Geschmack und Angewöhnung abhängig ist und selbst durch dieArmuth denen nicht verkümmert werden kann, welche unter bessernVerhältnissen erzogen wurden. Sie stand ein wenig seitwärts vonder Hauptgruppe der ärmlichen Häuser und besaß neben anderenausgezeichneten Merkmalen noch den Vortheil einer kleinen Umzäu-nung, durch welche sie theilweise dem Gaffenlärm entzogen wurde,welcher den meisten Dörfern Europas ihren ländlichen Charakterbenimmt.
Wir haben schon öfters die Schwierigkeit berührt, durch Aus-drücke, welche zwar den beiden Hemisphären eigen, aber in ihrerBedeutung so vielen Modifikationen unterworfen sind, genaue Vor-stellungen von positiven Dingen oder selbst von moralischen und po-litischen Wahrheiten zu geben. Was in dem einen Lande als großeBequemlichkeit erscheint, kann man in einem andern für unbehaglichhalten, und selbst die beiden höheren Vergleichungsgrade müssenstets unter richtiger Würdigung ihrer positiven Eigenschaften aufgefaßtwerden. So hat z. B. der Ausdruck ,iehr schön' keinen klaren Sinn,wenn man nicht über den Begriff des Schönen einig ist, währenddie Worte Reinlichkeit, Eleganz nnd sogar Größe in ihren eigen-thümlichen Bedeutungen bloß durch die Gewohnheits-Anschauungerklärt werden können. Wenn wir dis Hütte von Lottchen Hinter-mayer auch nur entfernt einer jener Weißen, reinlichen Wohnungenmit venetianischen Blenden, einem Portikus, vorn einem Grasplatze