Druckschrift 
20 (1845) Die Heidenmauer : eine Rheinsage
Entstehung
Seite
216
Einzelbild herunterladen
 

216

einem Mönch? Habe ich das Gelübde der Frömmigkeit abgelegttrage ich eine geschorene Platte, oder sehe ich wie einer aus, derfür besser gelten will, als seine Nebenmenschen? Daß ich ein Edel-mann bin, ist ein Glücksfall, und als solcher benütze ich diesen Vor-theil, obschon ich in Wahrheit sagen kann, daß es stets in dem ge-bührenden Maße geschieht; aber Niemand kann Emich von Leiningennachsagen, er brüste sich mit den Tugenden, um derenwillen die Möncheangesehen sehn wollen. Wer sich bescheidet, kann für seine Gebrech-lichkeit Nachsicht ansprechen; aber schwer muß die Gerechtigkeit den-jenigen heimsuchen, der unter dem Mantel der Heiligkeit sündigt."

Ich sehe nicht ein, welchen Nutzen Euch am Ende Eure Aus-nahme bringen kann. Doch Ihr wolltet etwas zu Berchthold Hin-termayerS Vortheil sagen?"

Ja, das wollte ich, und zwar aus dem Grunde meines Her-zens. Könnte man Heinrich zu einem festen Entschlüsse bringen, sodaß ich auf die Unterstützung der Städter zählen dürfte, so wollteich mit den Kuttenwichten bald fertig werden. Dadurch würdennolhwendigerweise meine Einkünfte bedeutend vermehrt, und wennich dann Berchthold als Schaffner über die gewonnenen Güter undDörfer setzte, könnte er sich bald so weit in der Achtung der Leuteheben, um die Abgeneigtheit des hartherzigsten Bürgermeisters inganz Deutschland zu überwinden."

Und in welcher Weise sollte ich zu Erreichung dieses Zweckesbeitragen können?"

Eine Frau von Deinem Verstände braucht kaum eine solcheFrage zu stellen. Du bist schon lange verheirathet und in der Ueber-redungskunst Deines Geschlechtes erfahren, Ulrika. Zwar weiß ichnicht, wie Du'S mit Heinrich hältst, aber wenn Irmengard etwasnach ihrem Sinne haben will, so bedient sie sich verschiedener Mittelund Wege, um ihre Wünsche auch gegen die Neigung ihres Galtendurchzusetzen. Heute lächelt sie, morgen ist sie stumm; das eineMal benimmt sie sich zärtlich, das andere Mal schmollend; besondere