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Stimme deS Grafen herein gerufen hatte, zeigte sich die mild«Ulrica auf der Schwelle.
In den Zügen der schönen Frau Bürgermeisterin drückte sichdie lebhafteste Ueberraschung aus. Ihr Gatte hatte gemächlich dieBeine gekreuzt und schwelgte eben in einer Art vornehmer Gleich-gültigkeit über die ungewohnte Lage, in der er sich befand, alsdieser außerordentliche Anblick den Augen seiner erstaunten Ehehälfteentgegentrat. Die Regeln der Etikette wurden in Deutschland sounbedingt und beharrlich gehandhabt, daß sogar ein Wesen, welchesso wenig vom Ehrgeize geplagt war, als die bescheidene Ulrica,kaum ihren Sinnen trauen konnte, wie sie Heinrich Frei in derGegenwart eines Grafen von Leiningen zu einem solchen Ehrensitzeerhoben sah.
„Nur ohne Scheu eingetreten, meine gute Ulrica," redete sieEmich huldreich an. „Dein würdiger Gatte und ich ergehen unsnur in wechselseitiger Freundschaft, während meine Dienerschaft einkleines Bankett zurüstet. Fürchte nicht, unsereUnterhaltung zu stören."
„Ich trage nur deßhalb Bedenken, edler Emich, weil ich Hein-rich Frei auf jenem Sitze sehe, während der Herr von Hartcnburggleich einem Manne von geringer Geburt an seiner Seite steht!"
„Berühre die Sache nicht, Frau," sagte der Bürgermeisterherablassend. „Du bist ein treues Eheweib und im Kreise DeinesGeschlechts gut genug, wenn sich'S um Fragen handelt, wie sie fürDeine Erziehung paffen; aber in einer Angelegenheit, wie diejenigeist, welche zwischen dem Herrn Grafen und mir obschwebt, kannstDu statt zu verbessern nur verschlimmern."
„Ha, beim Leben deS Kaisers, Meister Heinrichs Du läßtUlrica'S Verstände nur schlechte Gerechtigkeit widerfahren! Wäremeine Irmengard unter uns, so solltest Du sehen, daß wir Deineliebevolle Frau nicht viel weniger hochschätzen, als Dich. Doch, e-ist vielleicht besser, wir fragen Ulrica um den Grund ihres Besuchs,als daß wir sie über ihr Benehmen schulmeistern."