182
meine dieß nur, damit ihn die Noth lehrte, seine treuen und an-hänglichen Freunde von den falschen zu unterscheiden."
Heinrich Frei blieb stumm.
„Der Churfürst ist ein milder, liebevoller Fürst, dem aberRom schwer auf dem Halse liegt. Ich fürchte, wir werden, unge-achtet unserer langen Geduld, nie eine ruhige Nachbarschaft haltenkönnen, wenn die Kirche nicht dahin zu bringen ist, daß sie ihrAnsehen bloS auf ihre gottesdienstlichen Verrichtungen beschränkt."
Die Augenlider des Bürgermeisters senkten sich wie in Nachdenken.
„Und hauptsächlich macht mir'S Sorge, Heinrich, meine Elitenund anhänglichen Dürkheimer könnten diese Gelegenheit, sich selbstRecht zu verschaffen, verlieren," fuhr der Graf fort, indem er dasKnie, welches er noch immer umfaßt hielt, abermals drückte, bissogar der feste Bürger schmerzlich das Gesicht verzog. „Was sprichtman auf Eurem Rathhause von der Sache?"
Dem Bürgermeister war nun jeder annehmbare Borwand zuweiterem Schweigen benommen; indcß waren die schweren Muskelnseines Gesichtes bei der Antwort in einer Weise thätig, als kostees ihn Mühe, sich seiner Ansichten zu entledigen.
„Hochgeborener Graf, unsere Nathsherrn modeln ihre Ansichtenganz nach dem KriegSglückc des Churfürsten. Erfahren wir vonder andern Seite des Stromes her gute Neuigkeiten, so kömmt inunfern Gesprächen das Kloster übel weg; siegen aber FriedrichsKriegsknechts, so halten wir es für klug, daran zu denken, daßdie Herren Benedietiner auch ihre Freunde haben."
„Bei Gott, es ist hohe Zeit, Herr Heinrich, daß ihr zu einerbestimmten Entscheidung kommt, sonst müssen wir uns bis an daSEnde unserer Tage von diesen scharfreitenden Pfaffen satteln lassen!Bist Du ihrer habsüchtigen Erpressungen.noch nicht satt, daß Dunoch immer geduldig aus mehr wartest?"
„Was dies anbelangt, so genügt schon eine Kleinigkeit, umuns in üble Stimmung zu bringen; denn es gibt keine Stadt