Druckschrift 
20 (1845) Die Heidenmauer : eine Rheinsage
Entstehung
Seite
177
Einzelbild herunterladen
 

177

finde ich die Ehrerbietung, welche von Deiner Bürgerschaft demRange gezollt wird, und die Art, wie man in Dürkheim den Vor-nehmen gegenüber die Schicklichkeit beobachtet."

Der Herr Abbö hat Recht, Graf Emich, denn ich glaubenicht, daß sich unter allen Städten Deutschlands leicht eine anderefinden läßt, in welcher die Armen und Geringen so wohl ange-wiesen wären, die Vornehmen nicht mit ihrer Ausoringlichkeit zubehelligen, wie in unsrem Dürkheim. Zch denke, der Herr Grafmuß bemerkt haben, wie strenge und umsichtig gerade in dieser Be-ziehung unsere Gesetze gehandhabt werden."

Niemand weiß das besser, oder hätte es mit mehr Vergnügenwahrgenommen. Ich kann mich nicht erinnern, Vetter Albrecht,daß innerhalb Dürkheims Thoren auch nur ein einzigeSmal meinePrivilegien eine mißliebige Beeinträchtigung erlitten hätten. Dochich halte euch von eurem Imbisse ab, würdige Freunde. Erlaubtuns ein wenig wir werden euch wieder aussuchen, sobald eseuch gelegen ist."

Der Ritter und der Abbe nahmen diese unverhohlene Andeu-tung, daß der Graf mit dem Bürgermeister allein zu sein wünschte,durchaus nicht übel auf und entfernten sich ohne Säumen. Sobald dieBeiden allein waren, nahm Emich seinen Gast wieder bei der Handund führte ihn nach einem Thcile des Schlosses, wohin es Nie-mand wagen durfte, ohne ausdrückliche Berufung sich zu drängen.Hier betraten sie eines jener kleinen Gemächer, welche geheimenDiensten geweiht waren und mit Fug den Namen Closet führten,da sie in Wahrheit nur wenig größer und kaum besser erhellt waren,als die engen Räume, welche heutzutage diese Bezeichung führen.

Nachdem sie sich also gegen Beobachtung gesichert und ausdem Bereiche aller Lauscher und Spione gezogen hatten, warf derGraf seinen Mantel ab, schnallte sein Wehrgehäng los und machtesich's gemächlich. Aus Rücksicht für den Rang seines Gefährtennahm der Bürgermeister auf einem Schemel Platz, während letztererDie Heidemnimer. 12

!