sie fast die ganze Kirche durchwandelt und an mehreren der gefeiert-sten Altären Gebete dargebracht hatte, in den Chor. Vater Boni-faciuS nahm auf seinem Thronseffcl Platz, und die übrigen Möncheließen sich in den glänzenden Stühlen nieder, welche für derartigeGelegenheiten bestimmt waren. Während deS Umgangs der Ordens-männer spielte die Orgel eine sanfte Begleitung, deren letzte Akkordean dem gewölbten Dache verhallten, sobald die Procession zu Endewar. In diesem Augenblicke ließ sich der Hufschlag von Pferdenvernehmen — ein Getöse, welches die erschrockenen und unruhigenPriester bewog, ihren gottesdienstlichen Verrichtungen Einhalt zuthnn. Zunächst folgte Stahl-Geklirr und dann der schwere Trittbewaffneter Fersen, die auf das Pflaster der Kirche stampften.
Emich von Hartenburg kam mit der festen Stirne eines Mannes,der auf seine Macht vertraut und Ehrfurcht zu fordern berechtigtist, den Hauptgang herauf. Er war von seinen Gästen, dem Rho-diser Ritter und Monsieur Latouche begleitet, während sich der jungeBerchthold Hintermayer gleich einem Manne, der an nahen Dienstgewöhnt ist, an seine Seite hielt. Ein kleines Häuflein unbewaff-neter Reisiger bildete den Nachtrab. Im Chore selbst und in derNähe des Hochaltars befand sich ein Ehrenstuhl zum Gebrauche vonFürsten und Adeligen hohen Rangs. Der Graf ging durch dasGedränge, welches sich vor dem Chorgitter gesammelt hatte, bognach einem der Seitengänge und befand sich bald Angesicht in An-gesicht dem Abte gegenüber. Dieser erhob sich und machte eine leichteVerbeugung gegen seinen Gast, während die übrige Brüderschaft dasBeispiel ihres Oberhaupts, obschon mit größerer Achtung nachahmte;denn wie bereits bemerkt wurde, war es üblich, sogar im Tempelweltlichem Range Huldigung zu zollen. Emich setzte sich mit finste-rer Miene nieder, und seine beiden adeligen Begleiter fanden in derNähe Ehrenplätze, während Berchthold in kurzer Entfernung vonseinem Herrn stehen blieb.
Auch der geübteste Blick hätte in Wilhelm von VenlovS Aeußerem