Druckschrift 
20 (1845) Die Heidenmauer : eine Rheinsage
Entstehung
Seite
122
Einzelbild herunterladen
 

122

geöffnet werden nicht Deine Ohren stündlich durch rohe Flücheund Deine Augen durch Scenen verletzt, die sich gar übel für eineheilige Stätte ziemen? Ja, damit Du nicht glaubest, ich sey überDeine geheimen Absichten so ganz im Jrrthum liegen nicht diebewaffneten Banden des Churfürsten diesen Augenblick in DeinemKloster auf der Lauer?"

Wir sind nur behutsam in Betreff unserer Rechte und oerEhre der Kirche," antwortete BonifaciuS, der sich keine Mühe gab,das verächtliche Lächeln zu verbergen, das durch diese Frage her-vorgerufen wurde.

Glaube mir, Abt von Limburg, weit entfernt, ein Feind unsrerheiligen Religion zu seyn, bin ich vielmehr ihr geschworner Freund.Wenn dies nicht der Fall wäre, hätte ich mich längst den Proselytenjenes Bruders Luther angeschloffen und offen meine Leute gegen Dichanrücken lassen,"

Das würde immerhin besser seyn, als bei Tag an unfernAltären zu beten, und Nachts über den Umsturz derselben Anschlägezu schmieden."

Ich schwöre es bei dem Leben des Kaisers, daß Du mich zuweit treibst, stolzer Priester."

Der Lärm, welchen jetzt der Abbe und Pater Siegfried erho-ben, veranlaßte die beiden Hauptsprecher, ihre Aufmerksamkeit füreinen Augenblick den untergeordneten Streitern zuzuwenden. Nacheiner ursprünglich höflichen Verhandlung war der Gegenstand derDebatte nachgerade so verwirrt und hitzig geworden, daß die Dispu-tanten ihre Stimmen nach Kräften erhoben, beiderseits vergeblichbemüht, den Gegner zu überschreien, Monsieur Latouche übrigens,der während der Schlemmerei nur durch Betrug seinen Platz so langehatte behaupten können, konnte einem so rohen Angriffe nicht langeStand halten; mit wirbelnden Sinnen wankte er nach einem Pol-stersitz, wo er unter wilden Gestikulationen bald seiner ganzen Längenach niedersank, ohne den Kopf wieder ausrichten zu können. Pater