Todsünden ist eine Liebhaberei ausgezeichnet, welche das Uebermaßin Genüssen betrifft ähnlich denen, die wir jetzt zu schildern unsverpflichtet sehen. Wir gestehen zu, daß wir Demokraten sind, undso ist denn das Trinken vorzugsweise für ein „demokratisches Laster"erklärt worden.
Das Glück wollte es, daß wir Gelegenheit fanden, mit einerweit größeren Menge von Menschen, die sowohl durch ihre Cha-raktere, als durch ihre Stellungen die interessanteste Abwechslungboten, — in vertrauliche Berührung zu kommen, als dieß Wohlsonst bei irgend Jemand der Fall ist. Wir haben viele Länderbesucht — nicht in der Eigenschaft eines KourierS, sondern gesetztund nüchtern, wie cs einer ernsten Beschäftigung ziemt, indemwir da oder dort nach Belieben unsere Penaten ausstellten undlange genug verweilten, um mit eigenen Augen zu sehen und miteigenen Ohren zu hören; wir erdreisten uns daher, eigene Erleb-nisse zu Grunde zu legen, indem wir inmitten einer Fluth vonBehauptungen aus dem Munde solcher, die gewiß keine besserenAnsprüche an Berücksichtigung haben, eine verschiedene Meinungausdrücken. Es sei uns daher zuvörderst die Bemerkung gestattet,daß, wie vielleicht für den Gang der Gerechtigkeit ein verständiger,redlicher und biederer Zeuge das seltenste von allen wünschenswer-thcn Beförderungsmitteln ihrer geheiligten Entzwecke ist, so unsererAnsicht nach unter allen Sterblichen am schwersten ein Reisendergesunden werden mag, der vollen Glauben verdient.
Di- Kunst zu reisen wird, wie wir fürchten, weit mehr ge-übt, als begriffen. Uns erschien sie als ein mühsames, beunruhi-gendes, verwirrendes und oft peinliches Geschäft. Sich der Ein-drücke seiner Jugend zu entkleiden, — Thatsachen zu untersuchen,ohne an ihre Bedeutung einen Maßstab zu legen, der keine bessereGrundlage als die Gewobuheit hat — die Einflüsse von Institutionen,Himmelsstrichen, natürlichen Ursachen und hergebrachten Sitten zuzergliedern und vorurtheilsfrei zu vergleichen — die Ausnahmen