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wie die Jetzlwelt mit den Gewohnheiten des heutigen Tages. Wennman gewappnete Kirchenfürstcn ihre Haufen in die Schlacht führensah, so ließ sich nicht erwarten, daß die übrigen Würde» dieser pri-vilegirten Claffe sich milder kund gaben, als eben durch den Geistder Zeit durchaus gefordert wurde.
Wilhelm von Venloo, seit seiner Erhebung zum Abt von Lim-burg unter dem Namen BonifaciuS bekannt, besaß übrigens keines-wegs alle jene weltliche Macht, welche so vielen seiner StandeSgc-noffen zum Sündigen Anlaß gab. Dennoch war er das Oberhaupteines reichen, mächtigen und geachtete» Stiftes, das außerhalb derAbtei-Mauern viele Allodial-Güter besaß und über unterschiedlicheVasallen Lehensberechtigungen übte. Der Abt von Limburg warein Mann, kräftig an Körper und Geist, und übte einen nicht ge-ringen Einfluß vermittelst eines Charakters, wie er unS oft im Le-ben begegnet — durch eine derbe Unabhängigkeit des Denkens undHandelns, welche ihrer Wirkung auf die Leichtgläubigen und Schüch-ternen nie verfehlt, bisweilen aber auch den Dreisten und Verständigenbefangen macht. Er stand weit eher wegen seiner Gelehrsamkeit, alswegen seiner Frömmigkeit im Rufe, und alle Welt wußte, daß seineLieblingssünde in dem Hange bestand, einem Kampfe zwischen denKräften des Geistes und der Materie, wie er etwa durch reichlicheLibationcn und übermäßiges Essen zu entstehen pflegt, zu begeg-nen— eine Entartung, welcher alle Diejenigen ganz besonders un-terworfen sind, die den gewöhnliche» heilkräftigen Trieben der Natureinen unnatürlichen Zwang anlegen, gerade wie der eine Sinn anSchärfe gewinnt, wenn ein anderer fehlt. Der Abt machte sich'Sin seinem Gewände leichter und ließ die Kaputze noch weiter aufden Rücken niedersinken, während ihm Emich Becher um Becherzutrank; und als endlich die Speisen entfernt wurden, weil der Vcr-dauungSkraft oder vielmehr dem Magenraum nichts mehr zugemu-thet werden konnte, rötheten sich seine vollen Wangen, seine tief-liegenden, Hellen, durchdringenden grauen Augen blitzten in einer