Druckschrift 
20 (1845) Die Heidenmauer : eine Rheinsage
Entstehung
Seite
59
Einzelbild herunterladen
 

59

ruhige». ES wäre besser, wenn ein Pater mit einem grauen Tonsur-ringe in den Beichtstuhl einer Kirche träte, die so häufig von densungen Schönheiten Dürkheims besucht wird."

Du würdest gut thun, dies mit Deiner schulgerechten Handdem Bischof von MormS oder unsrem frommen Abte zu schreiben,Meister Berchthoid, denn Du hast geistliche Begabungen und könntestfie vielleicht überreden."

Wollte Gott, das Wenige, was ich in dieser Weise gethanhabe, hätte nicht so ganz seinen Zweck verfehlt. Du hast häufigeProben von der Aufrichtigkeit, wenn auch nicht von der Geschick-lichkeit dieser Hand, Meta."

Nun, laß das; es führt zu nichts, und läßt mich nur den Ein-siedler vergessen. Meine Mutter ich weiß nicht, wie es kommtund da Du mich darauf aufmerksam machst, so finde ich selbst auch,daß es von ihrer gewöhnlichen Regel abweicht; aber soviel ist ge-wiß, daß sie meine Besuche in der Heidenmauer durchaus nicht ent-muthigt. Wir find noch sehr jung, Berchthoid, und begreifen viel-leicht deshalb noch nicht Alles, was in älteren und weiseren Köpfenvorgeht."

ES ist seltsam, daß der fromme Mann eben uns aufsuchenmußte. Wenn er unter den Stadtmädchen vorzugsweise Dich aus-zeichnet, so schenkt er unter den Jünglingen im Jägerthal haupt-sächlich mir seine Aufmerksamkeit."

In diesem Gedanken lag ein Reiz, der die beiden jungen, arg-losen Herzen viele flüchtige Minuten in süßen Banden hielt. Siesprachen lange und mit ungemindertem Interesse über die unerklär-liche Sympathie zwischen dem Gottesmann und ihnen selbst, dennes kam ihnen vor, daß darin eine Kette liege, welche fie noch engeran einander feßle. Was auch Philosophie und Erfahrung in der-artigen Dingen behaupten mögen, so ist doch unbestreitbar, daßsich der Mensch in Beziehung auf die geheimen Einflüsse, welche aufder dunkeln Erdenpilgerschaft die Leiter seines Glückes seyn sollen.