326,, Früchte aus den sogenannt-
Er und die Wollust, Feinde von Natur,
In stetem Krieg, wer in uns herrschen soll,Vereinigen sich in unselgem Frieden,
Des Witzes Flickwerk, führen Hand in HandDie Ueppigkeit, zu feiner Lust erhöht.
Verfluchte Kunst verwischt die schuldge SchaamDer Wangen, und streicht jede Schandthat an.
Man lächelt im Verderben, rühmet sich
Der Schuld, und Schande steht und wirbt um Lob.
So viel der Mensch zum Wohl der Seele schrieb,Der sinnlichen Moral ist doch weit mehr:
Die Halste der gelehrten Welt ist vollVon Redner-Blumen auf des Lasters Graul.
Wird denn ein Blatt entsündiget durch Witz,
Und Missethaten heilig, durch Gesang?
Jedoch, verdamm' um die verworfnen LiederDie Muse nicht, die ihren Adel kennt,
Nicht an der Erde bleibt, nein, hält die WeltFür was sie ist, im Umfang der NaturFür ein geringes Punkt, von wannen sieSich um den ganzen weiten Raum erhebt,
Sich schwinget mit des Geistes höchstem Schwung'Durch alle Wesen zu der Wesen Quell,
Und weiß, in aller Unermeßlichkeit
Ist nichts, als was die Sitten bessert, groß.
Wie? singen nur Sirenen, Engel nicht?
Die Dichtkunst ziert ein großmuthvoller Stolz,Wenn sie zu ihr, die wohl nicht weiser ist,
Zur Prosa, ihrer jüngern Schwester, spricht.