Druckschrift 
Zur schönen Literatur und Kunst Theil 14 (1821) Terpsichore
Entstehung
Seite
137
Einzelbild herunterladen
 

Lyrische Gedichte.

1Z7

Zwo Göttinnen.

Nicht jm Schlummer allein genießt der DichterGöttertraume; dem Wachenden erscheinetAuch Apollo. So trat mir heut am Mittag'Herrlich ein Bild vor;

Zwo Göttinnen. Die Eine weicht der hohenPallas kaum an Gestalt und Königs röße;

Und der anderen weicht die Meer - eutsprungnePaphia selber.

Stoffen Ganges erschien dieKriegesgöttinn,

In erschreckender Pracht; es klangen Waffen,Goldenes Erz erklang, wohin ihr Fuß sichDrohender wandte.

Bor der Brust den leuchtenden unanschaubarnHarnisch; aus dem Haupte den Helm. Es flogenAn dem blinkenden Helm, gefledert flogen

Rauschende Büsche.

In der Rechte das nackte Schwert; die LinkeHielt die Waage, worin aus Einer SchaleAlle Reich' Europens, und in der andern

Tod und die Pest lag,

Schmerz und Thranen und Grimm und Weh undKetten. —

Ernsten, heiteren Blickes trat sie vor mich;

Doch mein Auge vermocht auch nicht den mildernBlick zu ertragen.