100 Lyrische Gedichte
Darf cs keiner gebundenen Tone.
Lachesis liebt sic nicht; sic eilt und kürzet den Fa-den ,
Ohne die Jahre zu zahlen. — GesetzlosKümmert sie nicht das Band und die Reihe derDinge.
Unser Rosanius! DaLiegest du nun! die frühgebrvchne,
Schnellzertretene Rose der Musen.
Ach von seinen PurpurlippenIst die Rothe geflohn! Ein FieberHat sic verjaget. -—
Blume der Mutter, des Vaters Auge, der Brüdekglanzendes Kleinod,
Bist verscharrt in plebeischcr Urne.
Wir, so lange wir leben, tragen verschiedene Na-men ,
Heissen Künstler, Schiffer und Edte,
Heissen Dichter, Mächtige, Fürsten,
Oder zu Gaben und Steuer gebohrne Bürger uitdBauern.
Wenn wir nicht mehr leben, so haben wir alleEinen Namen; wir heissen Schatten;
Anders nennet uns nicht der Schatten König.
Wem aniho die Fackel der JugendHerrlich flammet; in kurzem wird mit erloschenerFlamme
Er in Asche sinken. Es geht zum GrabeJeder von unfern Tagen; der Tage letzter