2
Lyrische Gedichte.
Die Jugend-Freundschaft.
Als in Strophius Blumenreichen GärtenTraurig Orest und mit beladnem HerzenIrrte, schlang ihm Pylades, auch ein Jüngling,Liebend den Arm um:
„Bruder! Du meiner Seele beßre Seele,
Heilige Blüthe meines Jugendfrühlings!
Lern' in diesen Garten, die um uns her blühnWas dir ein Freund scy.
Lockt das Veilchen dich nicht, das sonder ArglistDuftet? Die Ranke nicht, die um den Stamm sichLiebend schwingt? Die Lilie, die den BusenSchuldlos eröffnet?
Nicht die Rose, der Lieb' und Jugend Blume?Schönerer Liebe Rosen blühn der Freundschaft,
Auf des Lebens Dornen, im Lenz der Jahre,Nimmer verwelkend.
Sieh' den silbernen Bach hier.' Tief im GrundeZeiget er spiegelnd dir das kleinste Stcinchen;Murmelnd sein Geheimniß,, ladet er ein zuLiebcgesprachen.
Warum birgest du mir der Seele Kummer?Oeffnc das Herz; es leichtert sich durch Zutraun —Auf, Orest! mit dir will ich Freud' und SchmerzenThcilend, Dein Freund scyn."