Druckschrift 
4 (1853) Die Prairie : eine Erzählung
Entstehung
Seite
526
Einzelbild herunterladen
 

'526

Zartgefühl ihre häusliche Einrichtung durchstöberte, und, was ervorfand, bald spaßhaft, bald ernst, immer aber mit großem Frei-muts) besprach, oder sich den verwunderten Frauen verständlich zumachen suchte, wenn er ihnen so klar als möglich bezeichnete, wieAlles bei den Weißen besser sei als bei ihnen.

Dieser spähende, unruhige Geist fand keine Nachahmer unterden Indianern. Hart-Herz's Zartgefühl und Zurückhaltung herrschteauch bei den Seinigen. Als sie den Fremden alle Aufmerksamkeiterwiesen und sie mit Allem versehen hatten, was sie bei ihrer ein-fachen Lebensweise und ihre» geringen Bedürfnisse» leisten konnten,betrat kein Fuß mehr die Schwelle der den Weißen eingcränmtenGemächer. Man ließ sie ihre Ruhe suchen, wie es sich am bestenmit ihren Sitten und Neigungen vertrug. Die Gesänge und derJubel des Stammes dauerte indessen weit in die Nacht hinein,und man hörte mehr als einen Krieger bis tief um Mitternachtvon der Decke seiner Wohnung herab die Thaten seines Volkesund den Ruhm ihrer Siege hererzählen.

Alles, was Leben hatte, war, trotz des Schwärmens in derNacht, mit Sonnenaufgang wieder ans den Beinen. Der Ausdruckjubelnder Freude, der noch vor kurzem ans jedem Gesichte gestrahlt,hatte einem andern, der sich besser mit diesem Augenblicke vertrug,Platz gemacht. Alle wußten, daß die Bleich-Gesichter, die mitihrem Häuptling einen Freundschaftsbnnd geschloffen, sich anschick-ten, von dem Stamme Abschied zu nehmen. Middletons Soldatenhatten, in Erwartung seiner Ankunft, mit einem Handelsmann, derhier nicht sein Glück gemacht, einen Handel wegen des Gebrauchsseines Bootes, das ans Ladung im Strome lag, abgeschlossen,nnd Alles war jetzt zu der großen Reise fertig.

Middleton sah diesen Moment nicht ohne einiges Mißtrauensich nähern. Die Bewunderung, mit welcher Hart-Herz seine Jnezbetrachtet hatte, war seinem eifersüchtigen Auge nicht entgangen,und hatte ihn fast mehr als Mahtoree's widerrechtliche Wünsche