Druckschrift 
4 (1853) Die Prairie : eine Erzählung
Entstehung
Seite
259
Einzelbild herunterladen
 

259

Ja wohl," sagte der Doktor, der seinem Erstaunen durcheinen langen Athemzng, welcher seine ganze Lunge zu erschöpfenschien, Luft gemacht hatte.Ja wohl, die Indianer sind einegefährliche, verzweifelte Species, eine wilde, gewaltsame Raffe,ein Gezücht, welches sich schwerlich in die Gränzen der gewöhn-lichen Klaffen und Definitionen bringen lässt. Sprecht also zuihm; aber wenn ich bitten darf, laßt Eure Worte kräftige Worteder Freundschaft sein."

Inzwischen hatte sich der alte Mann nach allen Seiten sorg-fältig umgesehen, um hinter den höchst wichtigen Umstand zukommen, ob nicht der Fremde von Anderen in der Nähe unter-stützt würde. Jetzt trat er dreist auf ihn zu, jedoch mit denZeichen des Friedens, d. h. die flache, offene Hand gegen ihn aus-streckend. Seinerseits gab auch der Indianer kein Zeichen derUnruhe von sich. Er ließ den Jäger hcrankommen, ohne seinewürdevolle, furchtlose Miene und Stellung zu verändern. Viel-leicht bedachte auch der behutsame Krieger, daß, bei der Verschie-denheit der Waffen, es gut für ihn sein und den Vortheil mehrausgleichen würde, wenn er die Anderen näher kommen ließe.

Da eine Beschreibung seiner Person zugleich auch einen Be-griff von dem äußern Ansehen seiner ganzen Raffe geben kann,so wollen wir hier die Erzählung einen Augenblick unterbrechen,und oiese Beschreibung in unserer oberflächlichen, unvollständigenWeise entwerfen. Möchte doch das Auge eines Alston oderGreenough in einer freien Stunde sich einen Augenblick vomStudium des Alterthnms abmüssigen, um dieses gekränkte, ge-demüthigte Volk zu betrachten! Beide würden uns den ihnenso weit nachstehenden Künstlern die Mühe ersparen, eineSkizze, zu zeichnen.

Der Indianer, von dem hier die Rede ist, war in jeder Hin-sicht eine Kriegerstatur von vorzüglich schönem Baue und demvollkommensten Ebenmaaß. Als er seine Decke, bestehend aus den

17 «