müssten wir freilich auch erst wieder eine grosseDichtung haben — so von den Griechen über Shakespearezu Hans Sachs ginge der Weg. Ein deutsches, nationalesDrama müsste es sein. Richard Wagner hat die eineHälfte erfüllt. Werden, wir die andere erleben? Abereinstweilen könnten Avir einmal die Klassiker ordentlichspielen!“
Ich lache. „Wenn das Einer von Ihren berühmtenCollegen hören möchte.“
„Aber ist es denn nicht wahr? Sagen Sie dochselber: haben Sie in Ihrem ganzen Leben ein einziges-mal eine anständige Vorstellung eines klassischenStückes gesehen?“
„Ja, einmal . . .“
„Wo?“
„In Paris — den „Hamlet“ an der ComedieFran^aise.“
Er ist etAvas ungläubig. „Möglich! Sonst imponirtmir die Comedie auch gerade nicht — Avie da heiMoliere die Stühle alle in einer Reihe stehen — damalshatte das offenbar irgend einen äusseren Grund, heuteAviirde sich Moliere selber bestens bedanken, als galva-nisirte Mumie gespielt zu Averden. Wenn sein Inhaltnicht stark genug ist, eine neue Form zu vertragen,dann Avar er eben von Anfang an nichts Avertli. Aberdie Klassiker vertragen die andere Form! Im Gegen-theil — sie Averden dadurch erst recht lebendig! IchAverde das nächstens einmal beAveisen. Ich Avill eineReihe von Vorträgen halten oder eigentlich nicht Vor-träge, sondern so: ich nehme eine Scene her undspiele sie zuerst nach der Schablone, wie die Schau-spieler, die sich bloss an Worte halten; und dann fangeich noch einmal an und sage: nun Avollen Avir unseinmal die Situation anschauen und — zuerst ohne unsüberhaupt um den Text zu kümmern — Alles aus derSituation entAvickeln. Da sollen Sie einmal sehen, Avie