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T h e a t e r.
den Leuten plötzlich die Knöpfe aufgehen werden! Nurnatürlich ist es viel bequemer, die Phrasen einfachherunter zu schreien, als eine tragische Situation zuverstehen. Das ist ganz dasselbe wie in der Malerei:die gewisse braune Sauce kann Jeder — da, bitte,sehen Sie sich um, ob ich Sie nicht auch ganz gefälligtreffe! Dagegen, in der freien Natur — da sitzt manrathlos und verlassen da und weiss nicht aus und ein!
Die Wahrheit verlangt eine viel feinere undmächtigere Kunst als die gewisse überlieferte Schönheit,die Jeder in den Schulen lernt. Da fällt mir übrigenseine Geschichte ein, die eigentlich zu unserem Themagehört. Meine Tante ist Aebtissin in einem böhmischenKloster. Meine Schwester Nonne in demselben Kloster.Ich komme oft hin, weil ich sie sehr gern habe.Einmal bringe ich das Abendmahl von Ulide mit.Grosses Entsetzen — natürlich! „Das ist ja keinChristus,“ sagt meine Tante entrüstet, „das ist einVerbrecher!“ — „Und was ist das?“ frage ich undzeige auf einen Christus an der Wand — Mantel blau,Tunika roth, grosse Augen, gelocktes Haar, schön biszur Bewusstlosigkeit und das fadeste, was man sichdenken kann. „Das ist doch einfach wie aus einerFriseur-Auslage. Dagegen der Kopf von Uhde — sokönnte Christus wirklich ausgesehen haben!“ — „Wirwollen ihn aber nicht, wie er wirklich war — wirwollen ihn verklärt!“ Zu deutsch: Sie wollen ange-logen sein. Es ist in allen Künsten die nämlicheGeschichte!“
„Mit Leuten, die man lieb hat, darf man über-haupt nichts Künstlerisches reden. Ich habe das schonlange aufgegeben.“
„Ah, ja! Ueberhaupt — man wird manchmal somüde!“
„Ich bin nur neugierig — so in zwanzig Jahreneinmal, ob Sie dann nicht auch geworden sind, wie