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Studien zur Kritik der Moderne
Seite
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V. Alfred Freiherr v. Berger.

Eine Stube behaglicher Gelehrsamkeit, strenge,still und lauschig; grosse offene Bibliotheken rings anden Wänden und breite, tiefe Denkerstühle um denmächtigen Tisch.

Ein bisschen, ein ganz klein bisschen merkt mangleich den Professor: an dem Gewichte der Worte,an der steiferen, langsameren Würde mancher Geberdeund auch an jener eifrigen Sorge aller Sätze, welcheder Verkehr mit Schülern gibt, ob der Hörer schonrecht versteht oder ob es noch einmal deutlicher zuwiederholen ist. Aber Geselligkeit, Gewohnheit dergrossen Welt und der Umgang mit den Künstenhaben die gelehrte Art geschliffen und es ist jetzteine anmuthige Mischung von Katheder und Salon —halb Magister und halb Dilettant. Man könnte ihnals einen graziösen Pedanten definifen, wo denn freilichbeide Worte ein wenig von ihrem Sinne lassen undmildern müssten.

Er plaudert sehr hübsch, zwischen der Causerieohne Zweck, die nur das holde Spiel gefälliger Phrasenwill, und dem Gespräche um eine Sache, das auf einResultat zielt. Er hat die Uebung der freien Rede,stockt nicht, springt nicht ab, verliert keine Wendungund schlägt an kein neues Thema, bevor das ersteerledigt ist. Er spricht leicht und geschmeidig, aberman hört doch, dass hinter allen Worten viele Arbeitvon Gedanken steckt; sie sind gleichsam wie Aufschriftenund Auszüge von Capiteln, welche verschwiegen werden.Er liebt, was man die stenographische Rede nennenkönnte, indem er gern ein Wort wählt, unter demeine ganze Gruppe von Ideen sitzt, und eine ähnlicheKürzung auch von der Antwort erwartet, so dassimmer nur die Anfänge und die Enden der Discussiongegeben, die langen Reihen dazwischen unterschlagen