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Studien zur Kritik der Moderne
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Theater.

Es ist beim Leidingei’ eine Runde fröhlichen Ge-nossen. Er sitzt zwischen Udel und Alexander v. Weilen.Der breite, ungestüme Hüne daneben ist der DirectorGross des Schlosstheaters von Totis. Karlweis, derVater des Wiener Romanes, frozzelt drüben sanft, aberbeharrlich die Mitwelt. Sonst gibt es noch so einigeHerren aus dem Publikum.

Das ist mir ganz lieb. Ich werde nicht bloss seineMeinung hören. Ich höre auch gleich die Meinung vonLaien. Die Künstler verachten sie mit Unrecht. Endlichentscheidet doch sie allein das Glück der neuenVersuche.

Es dauert nicht lauge und wir sind mitten d’rin.Krastel will vom „Naturalismus“ nichts wissen: „Manlässt sich durch falsche Phrasen bethören, die nur ver-wirren und nichts nützen. Es handelt sich gar nichtum Naturalismus. Es handelt sich vielmehr um Natur.Natürlichkeit in Rede und Geberde ist das grosseGesetz, die grosse Pflicht der Schauspielkunst. Nichtnaturalistisch soll der Schauspieler sein, sondernnatürlich.“

Einer aus dem Publikum, energisch begeistert: „Soist es! So ist es immer gewesen!“ Und er tliut einenkräftigen Zug.

Und Krastel weiter: „Der Naturalismus führt vomrechten Wege ab. Was wir auf der Bühne brauchen,ist Wahrheit, mächtige Empfindung des Lebens undNatur. Man kann das gar nicht oft genug wiederholen:natürlich, natürlich sein — das ist die einzige Regel,an die sich der Schauspieler halte!“ Er redet sichwarm, das Auge sprüht, und in den Worten schwilltjene mächtige, zauberische Melodie, die jeder Wienerkennt und liebt.

Ein Anderer aus dem Publikum, um mir definitivjeden Zweifel zu nehmen: „So ist es! Das ist es!“ undauch wieder mit einem kräftigen Zuge.