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Studien zur Kritik der Moderne
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Theater.

anderen zu wecken. Sie gestalten nicht Rollen aussich sie gestalten sich an Rollen. Sie spielen nichtden Hamlet, Romeo oder Lear sie spielen gelegentlichdes Hamlet, Romeo, Lear immer nur wieder sich selber,jedes Mal ein anderes Stück. Für sie ist der Egmontdes Goethe, was für Goethe der Egmont der Geschichtewar: eine Gelegenheit, sich zu formen, die eigeneSeele in Zeichen zu gestalten, alle Hast und Fülle derEmpfindung zu bekennen. Das gibt zwei Arten derSchauspielerei. Man kann für, gegen jede Gründefinden. Nach seinem Geschmacke mag man wählen.Nur darf man von der einen nicht die andere verlangen.Es steht mir frei, Sekt lieber als Absynth zu trinken;aber ich darf dann den Absynth nicht schelten, dasser kein Sekt ist das ist eben nicht seine Sache.So darf man von Coquelin, Irwing oder Barnay,die nur Künste der Verwandlung wollen, nicht ver-langen, dass sie Geber eigener Gefühle, Schöpfer undNaturen seien, und man darf von Mounet Sully, demgrossen Tragöden der Pariser, oder von der Sarah,die immerdie Göttliche bleibt, nicht verlangen, dasssie durch mimische Kniffe blenden.

Wer Rollen vom Schauspieler will, Ergebung inden Befehl und Sinn der Dichtung, und in ihm mitNietzsche den idealen Affen sieht, wird hier seineRechnung nicht finden und es ist amüsant, wie langedie Pariser Kritik an seiner Grösse zu nörgeln sichvermass, die sich freilich in keine Schablone schickt. 1Man lese bei dem guten, alten Papa Weiss in diesemgemüthlichen und klugen, recht Fontaneschen «autourde la comidie frangaise», wie der sich immer wiederkränkt und schier verzweifeln möchte, dass ein sogrosser Künstler sich in keine Rolle fügen will, jetztwunderbar und herrlich, aber gleich wieder fremd undbarock. Emile Augier hat ungeduldig einst auf einerProbe gesagt: «Monsieur Munet-Sidly, un peu moins de