über die rechte und seiner Art gemässe Form zuratlien.
Andere Kritiker wieder sind vom Schlage derKenner. Sie haben ein besonderes Talent, die Weisejedes Malers zu erkennen und an den leisesten undkaum vernehmlichen Spuren zu merken. Es geschiehtnicht durch den Verstand. In Worte können sie esmeist nicht fassen. Sie riechen es gleichsam und witternes mit dem Instincte. Für Sammlungen sind sie unent-behrlich. Da erwerben sie leicht einen Namen undwerden auf diesen Namen in eine Zeitung berufen, wosie dann, die ganz nur Merker äusserer Zeichen sind, aufeinmal als Psychologen und Psychagogen wirken sollen.
Noch öfter sind sie endlich Liebhaber, Aesthetikerund Dilettanten, was meist nur heisst: verdorbeneKünstler. Sie sind die gewissen Rafaels nach Lessing,die ohne Hände geboren wurden und Alles möchtenund es nur nicht können. Sie empfinden gross, aberes gibt ihnen keine Gestalt. Sie fühlen für die Kunstwie Künstler; nur ist es ihnen versagt, sie zu üben;es gelingt ihnen nicht, oder sie wagen es nicht einmalzu versuchen. So malen sie in Gedanken und Träumen,schwärmen viel und formen ein festes, fertiges Ideal,das sie mit Leidenschaft lieben, aber freilich nichtbewähren können. Es ist klar, dass sie nicht diebesten Kritiker sein werden. Sie sind, weil sie nichtkönnen, was sie wollen, dem Glücklicheren w'eniggünstig, der es kann, und gar, wenn er kann, was sienicht wollen, hat ihr Zorn kein Mass. Sie haben alleungerechte Einseitigkeit der Künstler, nur noch miteiner heftigeren Note von Verbitterung und Hass.Sie können die That des Künstlers an der Absichtdes Künstlers nicht messen, sie dringen nicht in seinenGeist, um aus diesem seine Form zu berichtigen, siehorchen immer nur auf die eigene, ungestillte Begierdeund achten sonst kein Gesetz.