R i I rt end o K un st i n Oesterreich. 217
Das ist der verderbliche Zirkel: man wagt nichtsPersönliches, weil die Laien dafür nicht reif sind, unddie Laien können nicht reifen, weil das Persönliche fehlt.
Ich glaube, wie die Dinge heute einmal trostlossind, bei diesem Mangel an Liebe und Theilnahme undVerständniss, müsste man den „Scandal“ gelassenriskiren. Da ist es vielleicht gerade der „Scandal“,den wir brauchen, der heftige und wilde Zwist vonMeinungen, den sehr besondere, eigene und neue Naturenin der Kunst erregen. Da ist es gerade die Wutli vorungewohnten und gegen alles Herkommen trotzigeilDingen, die noch helfen kann und heilen.
Die Genossenschaft, welche berufen wäre, dieKünstler zu fördern, ist vielmehr ihr schlimmster Feind,indem sie die Laien geflissentlich in Unbildung, ohneInteresse und fern von jeder Erneuerung des Geschmackeshält und den Künstlern beharrlich das Persönliche ver-wehrt. Dabei sollen ihre Verdienste jedoch keineswegsgeleugnet - werden. Nur sind es keine künstlerischen,sondern gesellige und kulinarische, um die Küche, umden Keller und um das Gedeihen der Feste.
IV. Die Kunst und die Kritik.
Der Staat versäumt die Bildung der Laien. DerAkademie fehlen die Lehrer, die den suchenden Instinctender Künstler auf die rechte Spur verhelfen könnten.Und die Künstler selber thun auch nichts und raisonnirennur beim Biere und schmähen die schlechten Zeiten.
Aber das ist alles noch nicht das Schlimmste.Man könnte immer noch hoffen und sich mit einerbesseren Zukunft trösten, wenn wenigstens ab und zuTadel, Warnung und Rath gehört würde. Man brauchtenoch nicht zu verzweifeln, wenn es wenigstens eineKritik geben würde.