Selbstverständliches und Notlnvendiges, das gar nichtanders sein kann, und nicht etwa bloss seine persönliche,sondern überhaupt r 'die einzige Wahrheit ist, destowirksamer wird er als Künstler und desto ver-derblicher wird er als Lehrer. Er wird das Eigene desAnderen, was gerade die Künstlerschaft des Schülersausmacht, nicht bloss verkennen; er wird es hassen,bestreiten, vernichten, weil es gegen seine Eigenheitund weil es neben seiner Wahrheit Lüge ist; und erkönnte ihm auch mit dem besten Willen die nöthigenMittel nicht geben, weil seine Mittel aus seinem Ge-fühle erwachsen und für jedes andere Gefühl untauglichsind. Gerade die grössten Künstler sind die schlech-testen Lehrer.
Es ist eine alte Erfahrung: die grossen Meister
erziehen nur gute Copisten ihrer eigenen Bilder.Stümper fördern sie. Talente hemmen sie. Dem Stümpergeben sie einen Schein von Künstlerschaft, weil sieihm die äusseren Geberden ihrer Natur leihen. DemTalente schaden sie, weil sie seine Triebe in fremdeFormen zwingen. Es liegt ja in der Sache selbst. Mandenke sich: wenn der junge Bourget zu Zola oder
Zola zum Vater Dumas gekommen wäre: „Bitte, Meister,wie macht man Romane?“ Jeder rveiss doch nur, wieman seine Romane macht, das Verfahren seiner Natur,das einer anderen nichts nützt.
Der naive Künstler, der gar keine Ahnung hat,dass die Schüler nicht seine, sondern ihre Bilder malensollen, richtet als Lehrer noch den geringsten 'Schadenan. Er sagt einfach: „Da schauen Sie her! So maleich — so müssen Sie malen!“ Und der Schüler, derein bisschen was ist und sich halbwegs fühlt, erwidert:pich will aber nicht Sie malen, sondern die Natur“(indem jeder sein Gesicht der Natur für die Natur ansich nimmt), und läuft ihm davon. Die kritischen undnachdenklichen Künstler, welche den Beruf des Lehrers