204
.Malerei.
welche nichts Eigenes, sondern nur die Mode jenerTage gehen und die Manier der Lehrer gern nochetwas unterstreichen, wohl selbst carrikiren. Mangeniesst massig, aber man lernt, weil sie keine Persön-lichkeit, sondern die jeder Epoche geläufige Artbeweisen. Die künstlerische Wirkung ist gering, aberdie erziehliche Kraft ist gross. Der Laie erwächst andiesen Kleinen zum Begriff und Verständuiss der Grossen.
Das hat zwei Folgen: es gibt den Laien eine
Schule und gibt den Künstlern einen Markt.
Der Knabe, der das erstemal in das Museum seinerProvinz kommt, sieht hier einen Wald nach SalvatorBosa. Er denkt: aha, so sehen also gemalte Wälderaus! Aber dann sieht er nebenan einen Wald nachClaude Lorrain, einen nach Watteau und einen ausder Schule des Corot. Jeder ist anders. Welcher istder rechte? So wird er zu Vergleichen und endlichzur Prüfung an der Natur selber geführt und bildetsich, indem er die vielen Verhältnisse der Maler zurNatur erfährt, am Ende sein eigenes. Er lernt, indemer sich unwillkürlich jedes Bild auch in die anderenManieren und zuletzt in seine besondere Wirklichkeitübersetzt, sehen: das Malerische sehen, den einzelnenMaler sehen und die Natur sehen. Er erfährt, dassder Wald im Bilde anders und anders in der Naturerscheint. Er erfährt, dass er jedem Geschlechte anderserscheint. Er erfährt, wie er ihm selber erscheint. Erwird sich der fremden Vergangenheit und der eigenenGegenwart bewusst. Er wird, indem er recht historischist, modern.
Und die andere Folge: die Künstler haben einenverlässlichen Markt. Der junge Maler kann sich sagen:„Da ist ein Stück Natur, das auf mich wirkt. Da sinddie Mittel, welche mein Talent braucht. So will ichmit diesen Mitteln diese Natur gestalten. Vielleichtpasst es den Launen des zahlenden Pöbels nicht. Aber