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Studien zur Kritik der Moderne
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Herbst von 1889, da ich mich in Madrid durch diejunge Litteratur trieb, um ein bissehen die spanischeModerne zu erkennen. Fast spürte- ich bisweilenHeimweh nach der sonst verwünschten Gemütlich-keit der Deutschen, die drei Stunden in der Kneipehockt.

Aber ich hielt tapfer aus. Ich fand doch allerhandNeues und fragte und zankte mich langsam durch dasganzejüngste Spanien. Es ist nicht viel andersals die Jugend eben überall : von dem gleichen Gefühleseiner Mission, als ob jetzt überhaupt das erstemaleine künstlerische Litteratur begänne, von der gleichenungerechten Leidenschaft gegen die Ueberlieferung,von dem gleichen seligen Glauben an seine Zukunft;nur vielleicht etwas natürlicher in seinem Ernste alsdie Pariser, an welchen die gewaltsam prophetischeHaltung, die sie neuestens gern nehmen, nicht immerrecht glaubhaft ist, und unbekannt mit dem Neide undder Eifersucht derjüngsten Deutschen unter einander,wo jeder nur sich selber für ein Genie, die bestenFreunde für Stümper hält; dabei unbändig in seinemEnthusiasmus, zu ungeheuren Thaten mit Begeisterungentschlossen, nur ein bisschen faul, von jener schwülen,süssen, brünstigen Faulheit andalusischer Nächte. Sieschwelgen in kühnen, vermessenen, phantastischenEntwürfen. Wenn nur die Hälfte der Eomane, die siemir erzählten, geschrieben wird, ist das Land aufmanches Jahr versorgt. Nur, sagen sie, muss da erstdie schändliche Tradition gebrochen, die alte Litteraturvernichtet, und es muss erst Freiheit für den Künstlersein. Das predigen sie unablässig. Das wiederholensie täglich. Das ist ihr Programm, das sie in immerprächtigeren Sätzen immer wieder verkünden.

Es wurde damals gerade um den Naturalismusgestritten. Alarcon und Campoamor hatten ihnmit grossen Worten und kleinen Gründen geächtet,