184
Litt eratur.
mystisch trüben Rede, der dann der Vater der Decadencewurde. Da war, scheu und selten, Paul Verlaine mitder sündigen Miene von Lüsternheit und Reue. Dawaren Leon Dierx, Ernest d’Hervilly, Leon Valade,Albert Merat, Gabriel Marc, Jean Marras. Da warenArmand Silvestre, Frangois Coppee, und Anatole France.Und da war endlich auch Jose-Maria de Heredia, einschöner Creole von Cuba, schwarz und stolz, bewundert,weil er Ahnen unter den Conquistadoren, die mit Cortezzogen, immer sehr starke Cigarren und die buntestenCravatten hatte. Er nahm die Formel der Freunde,die Formel von der «perfection» der Form. Und er gabin sie seine Art hinein: das Echo der Conquistadoren,die spanischen Cravatten und den Dampf exotischerCigarren. Und dieser Freiligrath der parnassischenGemeinde blieb er.
Leconte de Lisle, mit dem man ihn oft vergleicht,hat einst gesagt: „Sie sind ein Colorist, während ichein Luminist bin.“ Das trifft seine besondere Weise.Die anderen haben die stille Helle des Marmors. Erliebt den lauten Zwist von tiefen, heftigen und wildenFarben, die er dann freilich in gelassene Formenbändigt. Er will, wie sie, auch Statuen schaffen. Aberseine Statuen sind polychrom, mit grellen, schwülen,gleichsam aztekischen Reizen. Man denkt an die heissenSkizzen des Delacroix und die äquatoriale Pracht desjungen Hugo. So die Triebe der romantischen Anfängein den Formen der romantischen Epigonen zu ge-stalten — das ist sein Werk. Centauren, rothe Sonnen,Seide, Bronzen, Wappen, Schwerter, die Taumel derletzten Römer, japanische Zierlichkeiten und die heroischeWuth der Eroberer und Entdecker — aber alles dochimmer nur decorativ, um seltene und fremde Klänge,einen neuen Reim zu geben, nicht aus dem Drange derGefühle, sondern zum Putze der Verse.
/