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Studien zur Kritik der Moderne
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Normen, unter sittliche Zwecke stellt. Das sind dieForderungen, die er mit Schwung, Begeisterung undZorn in seinen grossen, breiten, wie aus Posaunenhallenden Perioden verficht, die immer etwas von dermahnenden und strafenden Eloquenz der Kanzel haben.

Er verschmäht die sensitive Kritik oder wie ersie lieber nennt: die persönliche Kritik. Das Persön-liche ist in der That die Essenz der Kritik von heute.Sie lässt die strengen Gesetze von einst und will einegelassene, unbekümmerte Beichte der Stimmungen nur,die die Werke der Künstler geben. Man richtet sienicht mehr; man schildert, wie sie wirken. Man scheidetsie nicht mehr in gute und schlechte, lobt und tadeltnicht; man will constatiren. Man fragt nicht, wassein soll; man fragt, was ist. Der Kritiker fühlt sichnicht als Lehrer, Meister und Erzieher; er will einBotaniker sein, der Blüthen nimmt, bestimmt undordnet, um sie in Klassen zu bringen und so nach demWorte des Sainte Beuve eine histoire naturelle des espritszu gewinnen. Der rasche, nervöse und so empfindlicheSainte Beuve ist ja der Vater dieser neuen Kritik, dienur auf sich wirken lassen und diese Wirkungen treuund suggestiv erzählen will. Man weiss, wie die an-deren folgten und so die Aesthetik Reportage undJonglerie mit Sensationen wurde. Brunetiere hat sieverächtlich «annonciers de la lilterature» genannt unddie Marholm hat sie einst in eine gute Formel ge-bracht:Für mich besteht die Kritik in nichts anderemals in der Feinhörigkeit des eigenen gesammeltenWesens. Kritik das ist Sensibilität, das ist dasunendlich abgetönte Vermögen, Resonnanz zu geben,eine Resonnanz, die in ihren Stärkegraduancen schondie Werthbestimmung der aus der Aussenwelt hinein-fallenden Klänge trägt.

Das ist jetzt die übliche Art der Kritik, dieherrscht. In ihr gleichen sich alle, wie auch