„Er schläft noch.“
„So wecken Sie ihn.“
„Er empfängt jetzt nicht —“
„Er hat mir ein Rendezvous gegeben —“
„Aber doch um Gottes willen nicht für dieseStunde — hoffentlich!“
Sie streckt den Besen und wird sehr ungemüthlich,und die weisse Dogge murrt, dass ich sehe: es istklüger, mich gütlich und milde zu erklären; sonst wirdmir noch die Thür vor der Nase zugeschlagen. Undich erzähle ihr, dass nämlich dann gleich wieder Sitzungist. „0 la la!“ sagt sie verdriesslich. „Immer diesepolitischen Geschichten!“
Und um sie zu rühren, weil der Pariser auch nichtwidersteht, wenn man an sein gutes Herz klopft, erzähleich ihr weiter, dass ich ein Ausländer bin, von daunten, weit, weit, an der Donau, neben Russland, wodie Türken sind, wie damals in der Rue du Caire derExposition, und ein armer Journalist, der verloren ist,wenn er um seine Zeilen kommt. Da hat sie Erbarmenund lässt mich ein. Es wird in diesem Hause nichtumsonst die religion de la soujfrance htunainc gepflegt.
Ein kleiner schmaler Salon, weiss mit goldenenLeisten, rothe Felder, ein paar japanische Motive —Rococo, aber ins britisch Breite, Lässige, Bequemeübersetzt. Trauer und Eitelkeit wunderlich beisammen.Auf einem coquetten Piano Beethoven; zwischenParfüms eine offene Rolle Strychnin; ich suche, obnicht irgendwo Manon auf der Nachfolge des Christliegt. Die grosse goldene Harfe vor dem Kamin istein gutes Symbol der ganzen Stimmung: was Sentimen-tales, aber in einem stolzen Stoffe. Eine schmerzlicheEleganz verrätl) den mondänen Anachoreten.
Der Diener bittet mich hinauf in das Arbeits-zimmer. Es ist gross, weit, schlicht, ernst und behaglich.