154
L i 11 c r a t u r.
Andere als ästhetische Wirkungen kannten sie nicht;sie suchten nur die Anniuth und Kraft der Ideen, dieSchönheit der Fassung, den üppigen Klang und dielaute BlUtlie des Wortes. Oh eine Kunst der Jugendgefährlich wurde und das Gemiith vergiften mochte,danach fragten sie nicht. Sie dachten nicht an dieMenschen; sie hatten mit ihnen keine Gemeinschaft;sie hatten keine Heimatli als die Kunst. Ihr Ehrgeizwar, was Goncourt la pure lilteralure nennt, le livrequ’un ariiste fait pour se satisfaire; ihr Ehrgeiz war leculte de Varl pour l’art.
In dieser Ansicht aller Romantiker, des Parnassund der Anfänge der Decadence, welche ihre deutlichstenDocumente in den Briefen von Flaubert und denTagebüchern der Goncourts hat, ist Rod aufgewachsen,wie das ganze junge Geschlecht; jede andere galt amKünstler für unwürdig und verächtlich und erniedrigteihn zum «Bourgeois». Aber sie konnte vor den Forder-ungen des Moralisten nicht bestehen. Der Moralistdarf das Schöne nicht dulden, wenn es die Tugendschändet, die Liebe zum Guten zerstört und dieGesundheit des Geistes verkümmert: er ordnet dasSchöne unter die Wohlfahrt des Staates, des Volkes,der Menschheit. Die Kraft und Reinheit am Leibeund an der Seele gilt ihm mehr als die Leidenschaftdes neuen Reimes, des seltenen Beiworts und derschimmernden Sätze. Er will, dass der Dichter einconducteur de peuples sei. Er folgt der Meinung vonDumas: Toute litterature quina pas envuela perfectibilitP,la moralisation, l’ideal, l’utile en un mot, est une litteraturerachitique et malsaine, nee morte. Er kann die Werkeder Künstler nicht, wie die alte Kritik, an strengenund unerbittlichen Begriffen der Schönheit messen;und es kann ihm nicht genügen, sie, wie die neue,nach ihren Ursachen und Absichten zu fragen; errichtet sie von der Höhe des Staates und des Volkes;