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Studien zur Kritik der Moderne
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bitter atur.

und emsig den ganzen Verlauf notirt. Es ist, als wäresein Gehirn ein mit einem Schauspieler douhlirter Pro-fessor, der den Vorzug hat, alle Experimente an seinemlebendigen Selbst zu verrichten. Gleich seine erste Samm-lung*) bewies diese kritische Bedeutung: es sind ein-zelne Stücke darunter, wie über Leopardi, über dieenglischen Präraphaeliten, über die italienischen Veristen,deren sich Bourget nicht zu schämen brauchte.

Damals suchte er gern die zerrissenen und ver-zweifelten Seelen auf, mit der trotzigen Verachtungder irdischen Gemeinheit und mit der schmerzlichenSehnsucht nach den reinen Träumen. Er kam damalsgerade aus dem Naturalismus her und hatte den grossenDrang aller Ueberwinder des Zolaismus, den Drangnach der im Menschen verschwiegenen Schönheit. MitHass und Ekel verschmähte er die äussere Welt; in derinneren wollte er sie vergessen. Er ergab sich derFülle der ganz einfachen Gefühle, wie reich und wunder-sam ihre Einfalt ist: die leise Angst des jungen Gattenum den Verlust der Freiheit und vor dem Ungewissen,die trüben Bäthsel der Schwangerschaft, die irren undverlegenen Widersprüche der väterlichen Empfindung,das langsame und stumme Keimen der Neigungen zumKinde und alle die tausendfach verschlungenen Ge-heimnisse unter dem Bewusstsein, welche wie ein schau-riger Chor die scheue Kede der Vernunft immer un-verständlich begleiten.**) Dahin wendete er sich lau-schend, ob es ihn nicht von den Enttäuschungen desLebens heilen könnte. Aber es wurde ihm auch hierkeine Bast, kein Friede, keine Erlösung. Er brachteein tiefes Leid nicht los, eine unerklärliche und grund-lose Trauer, die nimmermehr weichen wollte. Sie wuchsnur immer, je mehr er durch sich forschte, und trieb

*) «Etu.ies sur Je XIX. siecle.» Paris, Perrin & Cie.

**) «Le sens de Ja vie.» Vgl. auch «Les trois coeurs.» Paris,Perrin & Cie.