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Studien zur Kritik der Moderne
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L i 11 c r a t u r.

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Anatole France.

In den Künsten ist heute viel Zwist und Ver-wirrung. Jeder hat andere Begierden und sie verstehensich nicht mehr. Sie mögen sich trösten: es geht derKritik auch nicht besser. Wir haben heute eben soviele Formen der Kritik, als wir Kritiker haben; undvielleicht sogar noch um einige mehr, denn mancherübt gleich zwei oder drei, wie es sich gerade trifft,und kann sich für keine entscheiden.

Da ist zuerst die alte Kritik, die überlieferteBeckmesserei, welche Alles weiss, ganz genau und ganzbestimmt, so viel nur irgendwo im Himmel und aufErden zu wissen ist, und mit der unerbittlichen Strengeeiner positiven Wissenschaft starre und unbeugsameGebote erlässt. Sie hat einen harten und leidenschaft-lichen Glauben, der niemals wankt und durch keinenZweifel erschüttert wird, an ewige unabänderlicheGesetze der Schönheit, an einen type absolu in allenKünsten, den keine Zeit verwandeln darf. Daran prüftsie Alles. Daher holt sie ihre Vorschriften. Andersweiss sie kein Heil. Es ist noch ganz eben so, wie inder guten alten Zeit, da sich der Kritiker als Herrund Richter aller Künste fühlen durfte, sorte de pro-ctireur de la littirature qui dressait le dossier desmechants ouvrages, et, distributeur de couronnes autantque de chätiments dicernait des ricompenses aux bonsauteurs, wie Bourget sagt. Sie stimmt freilich mit demveränderten Denken nicht mehr recht, das uns die neueNaturwissenschaft gibt. Aber sie ist so bequem undhandsam, dass man um sie keine Angst zu habenbraucht: sie wird nicht so bald verderben. Vorläufig