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Studien zur Kritik der Moderne
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A n a t o 1 c Franc e.-

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ist sie noch überall, in allen Schulen. Ihr gehörtBrunetiere, der Meister der akademischen Schablone;ihr gehört Zola, der naturalistische Aufrührer undEmpörer; ihr gehört Huysmans, der seitwärts in steilerEinsamkeit mystisch verträumte Decadent. Jeder hatseine besondere Formel, aber in allen ist der gleicheGeist, eigenwillig, herrschsüchtig, unduldsam. Jeder istunfehlbar und alle Anderen sind natürlich verirrteKetzer, die einfach verbrannt werden müssen.

Das veränderte Denken will von freien, verant-wortlichen Thaten nichts mehr wissen. Wir werdenbald im Leben jedes Verbrechen verzeihen, indem wires aus seinen Gründen begreifen. Wie soll da in derKunst jene alte Strenge noch länger währen? Wirglauben, dass Alles, wie es ist, nothwendig ist, undwir glauben, dass Alles rastlos wird und wieder ver-geht. Wechsel und Entwicklung ist überall ohne Ende.Die Wahrheit von heute ist morgen Lüge und jedeSchönheit lebt kurz. Wir haben keine Macht über dasgrosse Räthsel. Erkennen und begreifen, was ringsgeschieht, ohne den eigenen Willen vermessen einzu-mischen das ist Alles. Der gesetzgeberischen Herr-lichkeit der souveränen Vernunft trauen wir nicht mehr.Sie soll nicht bestimmen; sie soll bloss verstehen. Ausdiesen Gedanken ist eine neue Kritik geworden.

Sie hat mancherlei Formen. Da ist zunächst, wieBourget sie heisst, die ecole d Investigation exacte et dedocuments precis. Balzac nennt sie lbistoire naturelle descoeurs. Sainte-Beuve hat das Wort: Histoire naturelle desesprits. Der Namen sind viele. Aber es ist immer das-selbe Ding. Ihr erstes Beispiel war die Histoire de lalitUrature anglaise des Taine. Sie sucht aus dem Werkeden Künstler, um aus dem Künstler die Zeit zu suchen.Der Kritiker wird erst zum Psychologen, damit derPsychologe am Ende zum Historien de la vie moralewerde. Bourget ist heute ihr Meister.