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Studien zur Kritik der Moderne
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L i 11 c r a t u r.

Sondern nur ein simpler Wiener! Es Hess mirkeine East. Ich suchte sein Bild. Das konnte dochkeine solche Hexerei sein ich las den Aufsatz nocheinmal und las ihn wieder. Da war eine feinhörigeEmpfindsamkeit für die leisesten und leichtesten Nuancentiefer, dunkler Triebe, so vom Stamme der Stendhalund Barres, und auch in der Liehe des farbigenWortes, in der Empfänglichkeit für den Geruch derDinge jüngstes Frankreich; aber darauf eine ausge-glichene, vielleicht sogar absichtlich etwas pedantische,nach denWanderjahren hin kokette Würde, wiedas Alter sie liebt, wenn Leid und Freude überwundensind; eine fast klösterliche Beschaulichkeit und Be-sonnenheit über der Welt aber offenbar stieg dieserweisse Mönch gern bisweilen zu Tortoni auf einenßve o clock Absynth. Bloss dass es ein simpler Wiener,kein Franzose sein sollte!

Aber ich kam jetzt schon langsam darauf. Esstimmte schon allmählig. Wir haben diesen Schlagin Oesterreich, wenn er sich freilich meist geflissent-lich versteckt und von seiner spröden Schönheit nichtsverrathen will, den Schlag der heimlichen Künstler.Ich dachte an Villers, von dem die Briefe eines Unbe-kannten sind, an Ferdinand von Saar und die Ebner-Eschenbach; das war offenbar seine Kace und seineGeneration. Nur dass er noch die besondere Note desBoulevard enthielt: er musste lange französisch gelebthaben, um so an Schnitt und Tracht des Geistesdurchaus pariserisch zu werden, wozu die WienerNeigung und Talent besitzen. Ja, ich kannte ihn jetztganz genau.

Ich kannte ihn jetzt ganz genau. So zwischen40 und 50 etwa, in der Eeife des Geistes sonstkonnte er diese verzichtende Ruhe nicht haben, welchedie Dinge nur noch als fremdes Schauspiel nimmt undnicht mehr begehrt; aus altem Adel augenscheinlich,