122
Li 11 er a in r.
< .
Loris.
Es war im April, vor drei Jahren, dass ich vonPetersburg schied, aus schöner Güte fort, mit dem Ge-fühle, ich würde sie nicht wieder erleben. Eine trübe,einsame, ängstliche. Fahrt in verhängte Zukunft. Undich sehnte mich nach Sonne, Sommer, Süden.
Endlich war ich wieder in Wien, im Cafe, über denBlättern, die ich sechs Wochen nicht gesehen: wir warenso analphabetisch glücklich gewesen. Gegenwart, Nation,Freie Bühne, Gesellschaft, Magazin — immer noch diealten Tiraden, immer noch jeder an der gleichen Walze!Man gibt mir die „Moderne Rundschau“. Da istetwas über mich, eine lange Recension. Das auchnoch — und meine Sehnsucht nach Sonne! Lorisheisst der Herr — was das nur schon für ein Nameist! So kann ein Pudel heissen oder ein herzigesKoköttchen, aber freilich ein vornehmer, sehr ge-kämmter Pudel und eine in den achtbaren Kreisen,wo sie wieder anständig werden, mit Coupe. Esroch nach „Welt“ in diesem wunderlichen Namen:er klang so wohlerzogen und manierlich — füreinen Kritiker viel zu nobel. Aber egal: hörenwir einmal, wie der Kerl schimpft — vielleicht hater wenigstens eine neue Methode. Und mit dem blasirtmitleidigen Wohlwollen, das man diesen Recensentenschenkt, begann ich.
Da erging es mir sonderbar, gleich nach zweiSätzen. Ich weiss keinen rechten Ausdruck dafür.Es gab mir plötzlich einen heftigen Klaps — anderskann ich’s nicht sagen. Meine Seele blinzelte vorunvermutlietem Lichte. So stellte ich mir den berühmtencoup de foudre vor, von dem die Romane so viel wissen.