Adalbert von G o 1 d s e h m i d t.
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Das ist sehr seltsam, und, wie ich suchen mag,ich kann es mir schwer erklären. Es müsste denn sein:die Berliner hätten sich aus dem Verstände andereGefühle anerzogen, die ihrem Wesen fremd, aber durchErkenntniss geboten sind. Das gibt, wenn man es einbisschen besinnt, einen gar wunderlichen Process: siebegreifen mit dem Verstände, was ihnen fehlt, umeigentlich Künstler und noch gar von dieser neuenKunst zu werden, und sie haben sich mit solchem Ge-horsam in der Gewalt des Verstandes, dass sie ausihm, was ihrer Natur im Grunde doch immer versagtwar, Leidenschaft, Gefühl, ja naives Pathos sich er-zwingen.
Davon sind hier und dort mancherlei Zeichen.Den Naturalismus, der ihnen tief im Blute eingeborenschien, haben sie eilig abgethan. Seine Gemeinde istgesprengt. Sie erkennen, eifrige Horcher nach denBedürfnissen im Geiste, dass jetzt ein grosser Wechseldes Geschmackes geschieht. Sie erkennen, dass ihre Zeitder kritischen Kunst vorbei ist. Sie erkennen die mächtigeBeaction der Gefühle gegen die Herrschaft des Ver-standes. Und es ist nun sehr wunderbar, wie sie dieseBeaction gegen den Verstand, die sonst rings aus derEntrüstung der Gefühle quillt, ohne Gefühl logisch ausdem Verstände filtriren, aus dem Verstände künstlichein Gefühl bereiten, das gegen den Verstand, den sieals unzulängliche Gewalt erkennen, wirken soll.
Es ist fraglich, ob eine so künstliche Zucht desKünstlerischen bis zu schöpferischer Wirkung, zu eigenerThat gedeihen kann; aber es scheint, dass sie sich mitihr wenigstens zu einer empfänglichen und bereitenGastlichkeit für die Kunst, die kommt, überwindenund auch diesem neuen Idealismus, der ihrem Wesenfremd ist, die erste Heimstätte geben.