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Studien zur Kritik der Moderne
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L i 11 e r a t u r.

Instinct, wann und wo Neues sieh regt, und eine un-nachgiebige Begierde haben, dabei um keinen Preis zufehlen. Ich erwartete auch Verständnis bei einigenkritischen Köpfen, die, ohne dem Werke mit dem Gefühlezu folgen, es doch mit dem Verstände gerecht erklärenund wahrscheinlich in eine handsame ästhetische Formelbringen würden. Aber ich erwartete eine wachsende Ver-wunderung, ja Erbitterung der Menge, die es bald geradezuals gegen ihreHerrschaft, als einenFeind empfinden müsste.

Und ich fürchtete, aufrichtig gestanden, fürEmanuelBeicher. Ich schätze diesen Künstler sehr. Er hatsich mit Geist, Geschmack und Verstand allmählig eineganz eigene neue Technik aus sich entwickelt, und imnaturalistischen Stile darf er wohl der Meister heissen.Aber wie sollte er mit dieser Gabe, in knappen, halben,scheuen Zeichen die kümmerlichen, dürftigen Gestaltender kleinen Menschlichkeit zu formen, wie sollte erdamit dem ungeheuren Drange, der wilden Grössedieser zügellosen Phantasie genügen, die Uebermensch-liclies begehrt, Uebermenschliches verkündet, über-menschlich will und thut'? Es war schon bewunderns-wert!], dass er Schwung genug und Empfänglichkeithatte, nur überhaupt das Neue dieser anderen Kunstzu ahnen. Aber dass er ihr, die ihm so fremd war,auch noch selber als ein gefügiges Mittel ihres Sinnesdienen wollte, das schien mir doch über seine Kraft.

Diese sehr kluge und psychologisch überaus feineRechnung ist mir Punkt für Punkt zu schänden geworden.Beicher las vortrefflich, mit einem wirksamen Vereine vonPathos und Natur, in dem seine Weise noch gleichsam aussich selber von geheimer Weihe geadelt und verklärtschien. Die Hörer lauschten athemlos, und es waram Ende ein jauchzender Enthusiasmus, wie ich langekeinen gehört. Man sagte mir, es sei der grösste Erfolgdieser Saison. Und so bin ich in meiner BerlinerPsychologie mit einem Schlage ganz desorientirt.