Adalbert von G o 1 d s c li in i d t.
119
die imvermutliliclie Herrschaft der Berliner erklärlich.So schien mir ein jäher Fall aus ihrem raschen Glückeunvermeidlich.
Ich wartete mit Neugier. Es musste sich jetzt baldzeigen. Ueberall in Europa ist der Naturalismus fertig.Man will nichts mehr von ihm wissen. Der Geschmackwendet sich von ihm. Andere Wünsche erwachsen.Ueberall ist wieder ein heftiges Suchen. Noch irren vieleund stammeln ohne Rath. Nirgends winkt Klarheit.Aber überall drängt eine unaufhaltsame Begierde ausder gemeinen Deutlichkeit der rohen Dinge weg zuedleren Gestalten reiner, erdenfremder Träume. Manhat viele Losungen und Worte ausgegeben. Aber nochfehlt die rechte That.
Ich habe neulich gezeigt, was mir die „Gaea“gerade an diesem Punkte der Entwicklung zu bedeutenscheint. Sie ist vielleicht nur ein schwacher Erst-ling jener grossen neuen Kunst, die, ohne an nervöseKitzel zu entschweifen, die enge Verständlichkeit undWeltlichkeit des Naturalismus überwinden und wiederStil bringen wird. Mit mancherlei noch bleibt sie imVergangenen befangen. Aber alle neuen Wünsche desdunklen Dranges in die Zukunft sind in ihr, und umsie wird zuerst der nächste Kampf sein. Ichweiss keinanderes Werk in Deutschland.
Man halte nun diese zwei Meinungen zusammen:die Meinung, dass das Ende des Naturalismus auch dasEnde der Berliner Vorherrschaft im deutschen Geistewürde, und die Meinung, dass die „Gaea“ das Endedes Naturalismus bedeutet. Und man wird verstehen,dass mir die Reicher’sche Vorlesung für ein Ereignissgelten musste. Aber man wird auch verstehen, dassich wenig Hoffnung auf sie setzte. Ich erwartete keinenSieg. Ich fürchtete einen Scandal.
Ich erwartete allerdings viele Achtung, grossenEifer, weil sie in dieser Stadt einen glücklichen