den ersten jeden Wechsel in den Bedürfnissen derKunst erkannte. Es ist neben dem stillen Sänger ver-gangener Abenteuer in ilnn ein ungeduldiger Horchernach der Zukunft, und der Stifter des „Parnass“, derder Reihe nach für den Naturalismus, für RichardWagner und für die Decadence stand, ist heute nochimmer mit der Jugend, ein unermüdlicher Werber fürjede Neuerung.
Ganz ähnlich Emanuel Reicher. Er hat, als dererste, der statt starrer fertiger Masken die lebendigeEntwicklung der Charaktere spielte, seinen Platz inder Geschichte der deutschen Schauspielerei. Aberman wird vielleicht noch dankbarer rühmen, wie ermit verlässlicher Witterung für die neuen Begierdendes Geistes immer den bestrittenen Formen der jungenKunst geholfen hat, der tapfere Kämpfer für Ibsenund Strindberg, der unlöslich mit der Premiere der„Gespenster“ und des „Vaters“ verbunden ist, derEntdecker von Arno Holz und Gerhart Hauptmann,der Kopf und das Herz jener grossen Bewegung umdie Berliner freie Bühne.
Wenn ich mich nun erinnere, dass diese zwei ihreLiebe stets an Werke wenden, welche einen neuenTrieb des Geschmackes treffen, und wenn ich dann aufdie zähe, unnachgiebige Gewalt merke, die mich immerwieder, immer wieder zu dieser wunderlichen, tiefenDichtung drängt, so kann ich es mir nicht anderserklären, als dass sie Muster und Vorbild, Wunschund Ahnung einer kommenden Kunst ist, die langeschon in allen Nerven und Sinnen dunkel sich regt.Hellere, wirksamere Gestalten folgen ihr vielleicht bald.Aber sie wird doch immer die erste gewesen sein.
Diese Form, die aus ihr kommen wird, möchteich finden. Ich will nicht ihren künstlerischen Reiz,die schwüle Pracht des üppigen Wuchses, die königlicheAnmuth ihrer Reden zeigen. Ich will nicht den