Adalbert von Golds climidt.
113
Summe dieser drei Künste. Sie gehorchen einer höherenFührung.
Darin ist dieBedeutung der „Gaea“ für seine besondereKunst, weil diese ungeheure Rechnung mit Himmelund Erde, Lehen und Tod, Hoffnung und Verzweiflung,indem sie alle Künste unter einer Idee verbindet, dieDominante seiner Natur gibt. Für die Kunst über-haupt, weil sie die beiden heftigen Triebe.dieser neuenZeit vereint, den Drang nach einer Kunst, in der alleKünste wären, und den Drang nach den Symbolen.
Ich zweifle nicht, dass auch die Wiener das,sobald es ihnen die Franzosen sagen, begreifen werden.Sie hätten es aber billiger haben können.
II.
Die,, Gaea“ des Adalbert von Goldschmidt hatjetzt Catulle Mendes übersetzt.*) In Berlin hat sieEmanuel Reicher gelesen. So gewinnt sie überall schonihre wachsenden Gemeinden heftiger Verehrer, die nichtrasten werden, bis irgendwie eine Vorstellung des grossenWerkes erfolgt, das Malerei, Musik und Dichtung umfasst.
Das ist doch eigentlich seltsam. Ein Werk, daslange ruht, in der Heimath verschmäht wird, aber danndraussen plötzlich Freunde und Helfer findet. Undes ist seltsam, das gerade diese zwei führen, CatulleMendes und Emanuel Reicher.
Mendes ist gewiss ein köstlicher Poet; manchesseiner süssen, fliedermilden Lieder, manches holdeMärchen, so raffinirt naiv, kann nicht vergehen. Aberdem Richter, der später einmal die Rechnung dieserZeit zieht und die Verdienste eines jeden misst, wirder vor Allem als der grosse Mittler der Moderne gelten,der mit einer Empfänglichkeit und Empfindlichkeit,die an Diderot gemahnen, die neuen Wünsche, die imGeschmacke keimen, gleich vernahm und immer unter
*) Boi (I. Charpentier r. E. Fasipielle, Paris 1894.
8