V o m j ii n g s t e n S p a n i o n. 103
Schurken ringsum in Vergangenlieit und Gegenwart;der kühne weltenüberfliegende Schwung, der sich immergleich an ganz Europa adressirt; das üppige Pathos,das die nüchternen Gründe des Verstandes verschmähtund durch das kämpferische Säbelrasseln der Pronun-ciamentos ersetzt. Jene wunderliche Mischung vonArme-Leute-Geruch und einer gymnasiastenhaften Gran-dezza, und eine unerschöpfliche Lust am ewigenReformiren, die nichts in der ganzen Welt in Ruhelassen will. Natürlich ein unerbitterlicher Pessimismus,der kein Mitleid kennt: alles ist schlecht, ohne Aus-nahme, wohin immer man sich wenden mag — dieKritiker sind „Eunuchen“, die Directoren sind die„Vampyre der Litteratur“, die Schauspieler, „vomersten Regisseur bis zum letzten Comparsen“ allegleich verlumpt und verkommen, in Neid, Grössenwahnund Intrigue entartet, nur auf den eigenen Vortheilbedacht, voll vanitad, ignorancia y rutinarismo, dasPublikum ist neidisch, undankbar, barbarisch undschwelgt im Gefühle seiner Roheit, die grossen Namenvon heute sind Eintagsfliegen, die morgen schon niemandmehr kennen wird, und die grossen Namen von gestern,Calderon, Lope, Moreto waren eigentlich auch nichts,mit Shakespeare können sie sich doch nicht messen.Aber dabei ein blinder Glaube an sich selbst, an dieUnfehlbarkeit der eigenen Mittel: wie denn das ganzegrosse und unsägliche Elend der Kunst mit einemeinzigen Schlage gebannt wäre, wenn die Regierungsich für sein theatralisches Schwurgericht entschiede,das vom König ernannt aus einem berühmten Dichter,einem ersten Schauspieler, einem Regisseur, einemKritiker, zwei Journalisten und einem Vertreter derlitterarischen Jugend bestehen und über alle eingeweihtenStücke in gewissenhafter Prüfung unparteiisch entscheidensoll. Und immer wieder und überall eine unvertreiblicheVorliebe für das Vage und Confuse, die ängstlich jeden