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Arthur Schnitzler*) ist anders. Er ist eingrosser Virtuose, aber einer kleinen Note. Torresanistreut aus reichen Krügen, ohne die einzelne Gabe zuachten. Schnitzler darf nicht verschwenden. Er musssparen. Er hat wenig. So will er es denn mit derzärtlichsten Sorge, mit erfinderischer Mühe, mit ge-duldigem Geize schleifen, bis das Geringe durch seineunermüdlichen Künste Adel und Würde verdient. Waser bringt, ist nichtig. Aber wie er es bringt, darfgelten. Die grossen Züge der Zeit, Leidenschaften,Stürme, Erschütterungen der Menschen, die ungestümePracht der Welt an Farben und an Klängen ist ihmversagt. Er weiss immer nur einen einzigen Menschen,ja nur ein einziges Gefühl zu gestalten. Aber dieserGestalt gibt er Vollkommenheit, Vollendung. So ister recht der artiste nach dem Herzen des „Parnasses“,jener Franzosen, welche um den Werth an Gehaltnicht bekümmert, nur in der Fassung Pflicht undVerdienst der Kunst erkennen und als eitel verachten,was nicht seltene Nuance, malendes Adjectiv, gesuchteMetapher ist.
Der Mensch des Schnitzler ist der österreichischeLebemann. Nicht der grosse Viveur, der internationalist und dem Pariser Muster folgt, sondern die wiener-isch bürgerliche Ausgabe zu fünfhundert Guldenmonatlich, mit dem Gefolge jener gemlithlichen undlieben Weiblichkeit, die auf dem Wege von der Grisettezur Cocotte ist, nicht mehr das Erste und das Zweitenoch nicht. Diesen Winkel des Wiener Lebens mitseinen besonderen Sensationen, wo sich wunderlich diefeinsten Schrullen einer sehr künstlichen Kultur unddie ewigen Instincte des menschlichen Thieres ver-mischen, hat er künstlerisch entdeckt und er hat ihn,indem er ihn gleich zur letzten Vollkommenheit des
*) „Alkandi’s Lied.“ — „Reichthmn.“ — „Episode.“ —„Anatol.“ — „Das Märchen.“