Das junge Oesterreich.
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allem Fleisse nicht verleugnen liess. Man fühlte denZwang von unverträglichen Theilen. Ganz anders diejungen Wiener. Da ist keine Qual und Gewalt. Mansieht die Lehre nicht. Man sieht keine fertige Technik.Man hat eher das Gefühl, dass sie vielmehr nachFreiheit von den Schablonen streben und Jeder seineeigene Art versuchen möchte. Sie liehen das Vater-ländische, nicht bloss wienerische Stoffe, sondern diewienerischen Formen, jene weiche, gerne etwas lässigeund bequeme Weise, wie man hier ungebunden denktund redet, mit einer Liebe der kräftigen Wendungenaus dem Volke, die selbst in den strengen Stil derkritischen Studie oft eine wunderliche Plastik drängt.Sie gehen meist überhaupt sehr naiv an ihre Sache,auf gut Glück, ohne Apparat, die geprüften Behelfeeiner fertigen Technik zum eigenen Schaden ver-schmähend, der Sicherheit ihres Dranges vertrauend,der sich schon irgendwie seine Formen bilden wird,und haben so eine technische Unschuld, rvelche, wennsie ihnen freilich eine kindliche Anrnuth und heitereFrische gibt, doch die Geduld des Lesers verdriesstund seine Ordnung beleidigt. Sie wollen unbekümmertnur aus sich gestalten. Aber es geschieht ihnenbisweilen zuletzt, gerade wo sie ganz wienerisch tliun,dass sie beinahe wie Pariser Originale wirken. Geradedas Umgekehrte wie bei den Berlinern: dort ist dieAbsicht französisch, hier ist es die Wirkung. Und sosehen wir auch diesen letzten Schein von Gleichheit, wieer nur ernstlich geprüft wird, schon wieder entwichen.
' Also: das „junge Oesterreich“ ist nicht nach demBerliner Muster, und es ist nicht nach der PariserSchablone; es ist nicht revolutionär, und es ist nichtnaturalistisch — ja, was ist es denn eigentlich sonst?Was ist es, da es doch als Neuerung sich selber em-pfindet und als Neuerung von den Anderen empfundenwird, so sehr, dass man ihm sogar einen eigenen