73
Das junge Oesterreich.
macht. Dieses deutlich in sich darzustellen, mit allenKräften zu bewahren und in mittheilsame Zeichen zugestalten — hier oder nirgends ist die neue Kunst.Der Künstler verliere sich nicht an die Welt; erfindesein Eigenthum in seinen Tiefen; daraus schöpfe ersein lebendiges Gleiclmiss.
In manchem Werke, bei 0. J. Bierbaum undGeorg Egestorff besonders, aber auch bei Heinz Tovote,Felix Holländer, Hans Land sind Spuren, dass dieschöne That. Liliencron’s schon wirken wird.
2 .
Das junge Oesterreich
i.
Man redet jetzt viel von einem „jungen Oesterreich“.Es mag etwa drei, vier Jahre sein, dass das .Worterfunden wurde, um eine Gruppe, vielleicht eine Schulevon jungen, meist Wiener Litteraten zu nennen, diedurch auffällige Werke, einige auch schon durch schöneVersprechungen in der Gesellschaft bekannt, ja sieselber meinen wohl sogar: berühmt wurden. Die Mengeweiss freilich ihren Namen nicht, weil die Zeitungenvon ihnen schweigen: denn die Wiener Presse (ungleichder Berliner, die unermüdlich in den Gymnasien sucht,um den Abonnenten jedes Quartal einen neuen Unsterb-lichen zu liefern) ist beleidigt, wenn ein “Wiener Talenthaben will, und scheut kein Mittel, gewaltsam denStörenfried zu vertuschen. Aber die Kenner schätzensie, und schöne, kluge, empfängliche Frauen lauschenihren Versen. Da können sie das Andere leicht ver-schmerzen.